 dem Niveau einer Kloake, die man einen Fluss nennt
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    Murray horchte hoch auf. Wenn sein bedecktes Auge ihn nicht geschützt hätte,
würde Rafflard gesehen haben, dass er plötzlich erschrocken war.
    Es ist unverantwortlich, sagte Rafflard und nahm eine Prise, was er selten
tat und hier als Beweis seines behaglichen Vertrauens einschaltete, es ist
unverantwortlich, dass man die unglücklichen Opfer schlechter Erziehung, die
unsre Gefängnisse bevölkern müssen, weil sie der allgemeinen Sicherheit und
Ordnung schädlich sind, nach ihrer Entlassung niemals frägt: Was beginnst du
nun? Was tust du nun, um dich mit der Gesellschaft, die dich fürchtet,
auszusöhnen? Man stellt die entlassenen Sträflinge unter polizeiliche Aufsicht
und lauert nur gleichsam auf den Augenblick, sich so rasch wie möglich wieder
ihrer bemächtigen zu können.
    Mit einem aufwallenden Gefühl der Übereinstimmung und der innerlichsten
Überzeugung sagte Murray:
    O Das ist wahr!
    Rafflard erschrak fast vor dem eigentümlichen edlen Ausdruck, mit dem
Murray diese Worte, aus tiefster Seele, sprach. Murray bemerkte Dies und
überhörte fast die Frage, die nun Rafflard an ihn richtete:
    Man hat Euch, Murray, unter Aufsicht gestellt?
    Rafflard musste diese Frage wiederholen.
    Murray zog die Achseln, machte eine komisch verlegene Miene und deutete mit
den Händen gleichsam an: Was weiß ich? Das sagt man Einem nicht!
    Ich weiß es, Murray, sagte Rafflard, der nun fast gewiss war, einen geheimen,
sehr schlauen Verbrecher vor sich zu haben; ich erfuhr es beim Oberkommissär
Pax. Ein gewisser Hackert, der bei ihm arbeitet, sagte mir's, als ich nach Euch
fragte, dass man Euch für gefährlich hält.
    Murray zuckte wieder die Achseln mit gleicher Miene, gleicher Zweideutigkeit
...
    Es nahte sich jetzt der schwierige Augenblick, wo Rafflard in der
Notwendigkeit war, durch eine geschickte Wendung den Übergang zu gewinnen, um
über Das, was er mit Murray vorhatte, die Maske zu lüften.
    Ihr werdet wohl schon gemerkt haben, Meister Murray, sagte er, dass mich
reine Menschenliebe, nicht Frömmelei oder sonst ein pedantischer Beweggrund in
die Gefängnisse führt. Ich suche dort Menschen, die mir nicht einfällt, in Engel
verwandeln zu wollen. Ich kenne unsre Natur. Ich weiß, wieviel dazu gehört, um
ein praktischer Mensch zu sein, reell, zuverlässig, gehorsam, verschwiegen. Die
Tugenden, die den Engel ausmachen, mag vollends einst der Himmel in uns bilden.
Für diese Erde ist schon viel gewonnen, wenn wir z.B. in den gebesserten
Verbrechern tätige Menschen wiederbekommen, unschädliche, nützliche Glieder der
Gesellschaft, wie sie einmal ist. Seid Ihr nicht meiner Meinung, Murray?
    Murray lachte und meinte:
    Herr, wenn Einer herauskommt und gleich etwas
