 so angezogen,
dass er sie für die seinen erkannte, oft aber auch wieder ganz von ihnen
abgestoßen. Er schwieg eine Weile und überlegte das Gesagte. Als ihn darauf der
Fremde ersuchte, anzugeben, wie er sich's denn möglich dächte, jenen Geist der
eitlen ehrsüchtigen Selbsterniedrigung in der Monarchie zu dämpfen, antwortete
er:
    Dadurch, dass man diesen falschen und unwürdigen Royalismus auf seine wahren
Quellen zurückführt, die Quellen der Eitelkeit und der speculirenden
Selbsterhaltung. Denn leider auch deshalb wird jetzt ein so übertriebenes Spiel
mit monarchischen Formen getrieben, weil man einen Damm sucht gegen die
drohenden Fluten der allgemeinen Zerstörung, gleichviel aus welchem Material
gebaut. Ehrlich sind unter den Reubündlern nur Die, welche sich einbilden, vom
Glanz der Monarchie falle etwas auf sie selbst, und unehrlich alle Die, welche
zum Royalismus aus Angst für ihr Eigentum flüchten oder die sich, wie dieser
Schlurck, vor dem Auffallenden fürchten und der Mode folgen, weil sie Mode ist.
Es muss Etwas erfunden werden, mein' ich, was das Individuum vernichtet, ohne die
Person zu zerstören.
    Das ist ein tiefes, aber dunkles Wort! unterbrach ihn der Fremde. Das
Individuum vernichten, ohne die Person zu zerstören?
    Wir müssen, erläuterte Dankmar, eine andere Gleichheit predigen als z.B. die
der Volksversammlungen. Gleichheit mit dem Pöbel ist die Sehnsucht der Denkenden
nimmermehr. Gleichheit der Ansprüche auf die große Ehre, die in einem
Allgemeinen, uns Alle Bindenden liegt, Ehre, zurückstrahlend auf Alle von einem
Begriff aus, der Ehre verdient, da ist Etwas zu suchen, zu erfinden, was uns
rettet vor dem Rückfall in die Barbarei, dass wir aus Furcht vor Revolutionen der
Anbetung des Bestehenden verfallen.
    Als Schlurck's Name genannt wurde, erwachte Hackert. Die beiden Andern
schwiegen, und die Notwendigkeit, dem Pferde einige Ruhe zu gönnen, trennte vor
einem am Wege gelegenen Wirtshause auf einige Zeit die drei Gefährten. Als der
Fremde, um nach einem Mittagsimbiss zu fragen, ins Haus getreten war, winkte
Hackert Dankmarn und zeigte ihm ein Taschentuch, das Jener hatte liegen lassen.
Mit geheimnisvoller Miene bedeutete er ihn näher zu treten und hielt ihm
verstohlen den Zipfel des Tuches hin. Es war sehr fein eine Krone mit dem
Zeichen 100 und dem Buchstaben E darin gestickt.
    Das heißt, sagte Hackert, der Mensch, von dem er dieses Taschentuch
gestohlen, hatte deren hundert, war mindestens kein Tischler und fängt in seinem
Vornamen mit einem E an.
    Oder es gehört ihm wohl selbst, sagte Dankmar.
    Das ist auch möglich, antwortete Hackert trocken und rief einen Knecht, für
das Pferd zu sorgen. Dann knöpfte er sich den Rock zu, streifte Beinkleider und
Rockärmel glatt
