 drüben die Krone der
Gerechtigkeit, die Kampfgabe des ewigen Jerusalems.
    Im Herzen steckt von Anfang an und von Natur der alte Mensch, der da böse
ist und verkehrt, Gott und den Nächsten hasst, sich allein liebt, lüstern ist
nach der Welt, ihren Genüssen und Schätzen, der da einen Boden hat für alles
Unkraut empfänglich, nicht für die Lust allein, absonderlich auch für Neid,
Zorn, Hass und Rachgierigkeit. Dieser alte Mensch, vom Fleische geboren, ist es,
der von der Welt sich locken lässt und gefangen genommen wird dem Affen gleich,
dem man in einer Flasche Nüsse beizt; in den engen Hals der Flasche zwingt wohl
der Affe die leere Pfote, aber die mit Nüssen gefüllte bringt er nicht durch den
engen Hals, die Nüsse fahren lassen will er nicht, lässt lieber Freiheit und
Leben. Dieser alte Mensch ist der Zwillingsbruder der Welt draußen; je mehr
derselbe der Schwester abgewinnt, desto üppiger schwillt er auf, desto üppiger
wird die Welt drinnen, desto größer ihre Gewalt, desto grausiger ihre Tyrannei
über die arme Seele, wenn nämlich der dritte Kampf nicht entbrannt ist um die
Emanzipation der Seele oder des neuen Menschen, der Kampf um das Himmelreich. Im
dritten Kampfe soll eben nämlich der Himmel gewonnen und dieser gezogen werden
ins Herz hinein, dass die Welt nicht Platz habe darin, dass man sie hat, als hätte
man sie nicht, sie genießt, als genösse man sie nicht, übrig haben davon und
Mangel leiden kann daran und beides unbeschwert.
    Der alte Mensch ist der erste, der erstgeborne, wenn man will. Es schlummert
aber im gleichen Gehäuse ein zweiter Mensch, geschaffen nach dem Ebenbilde
Gottes, aber gefesselt in dunkler Höhle, gefangen gehalten durch den alten
Menschen, dem alten Barbarossa ähnlich, der da auch schlummern muss in dunklem
Bergesschosse, bis ihn ein junger Tag zu frischem Heldentume weckt. Der neue
Mensch muss eben auch geweckt werden und zwar durch den Geist, dessen Brausen man
wohl hört, aber von dem man nicht weiß, woher er kommt noch wohin er fährt. Auf
ihm liegt, schwerer als der schwerste Stein auf märchenhaften Schätzen, Moder
und Schutt von Welt und Sünde. Gewaltiger als das Wehen der Winde, welche das
Gebirge sprengen wollen, das auf den himmelstürmenden Riesen liegen soll, muss
der Hauch des Geistes sein, welcher wegfegt Moder und Schnitt von Welt und
Sünde, hebt den Stein vom engen Gehäuse, in welchem gefesselt liegt der neue
Mensch, ihn kräftigt, dass er sich erhebt, den Kampf mit dem alten Menschen
beginnt um den Besitz des Herzens, um des Lebens Ziel und Richtung.
    Ohne Gott kann hier nicht gekämpft werden, am allerwenigsten glücklich, aber
wo Gott mitkämpft
