 je tiefer er fühlt,
dass Gott ihn zu einem Werkzeuge erwählet und den wahren Lohn ihm nach der Treue
zumisst, in welcher er in seinem Amte steht.
    Wären nun die Emporkömmlinge Christen auf diese Weise, demütig statt
hochmütig, milde statt hart, dann würden sie nicht bloß die Menschen versöhnen
mit sich, sondern es würde auch Mancher denken: An dem habe ich mich versündigt,
habe Schlechtes von ihm geredet, ihn nicht bloß verurteilet, sondern
leichtfertig und unverhört ihn verdammt, und mit welchem Masse ihr messet, mit
diesem soll euch wie, der gemessen werden, heißt es ja. Ein andermal werde ich
anders sein, mich nicht ärgern an Gottes Güte, die er über Andere ausgiesst, dem
Kain gleich, mich nicht versündigen an Andern durch ein lieblos Verdammen, um
nicht selbst verdammt zu werden.
    Vreneli suchte diese Versöhnung, und zwar nachhaltig und standhaft. Es
meinte nicht, dass wenn es einmal einer armen Frau ihr Säcklein gefüllt, mit
einer andern freundlich gesprochen habe, nun alles gut sein solle, alle Mäuler
umgewandelt, nun nichts mehr als Lob und Preis allenthalben. Für Schlechte
schlägt die öffentliche Meinung plötzlich um von einer Stunde zur andern, macht
Purzelbäume, die schrecklich sind; ins Gute aber wandelt sie sich langsam um,
und wenn man meint, jetzt sei alles wieder gut, so reibt einer die alten Flecken
wieder auf, macht neu den Verdacht, und lange geht es wieder, bis Achtung und
Vertrauen sich wiederum eingestellt.
    Was Vreneli seine Langmut erleichterte, war der Friede und das Behagen,
welche sich bei ihnen eingestellt. Uli war ein Anderer geworden. Den alten
heitern Sinn und die emsige Rührigkeit hatte er wieder, verband sie aber mit
Ruhe und Besonnenheit. Da war keine Ängstlichkeit mehr, kein Zappeln und Hasten;
er meinte nicht, dass heute alles gemacht sein müsse, als ob morgen kein Tag mehr
sei, zog dem Himmel keine schiefen Gesichter mehr, wenn es nicht regnen wollte,
wenn Regen Uli passend dünkte. Er hatte in sich die Ergebung gewonnen, welche es
nimmt, wie Gott es gibt, welche macht, was sie kann, aber nie meint, dieses oder
jenes müsse so und nicht anders gehen, müsse erzwungen sein. Er hatte die
Erfahrung gemacht, dass wo der Herr nicht das Haus behütet, umsonst die Bauleute
arbeiten, wie wenig früh Aufstehn und spat Niedergehen und sein Brot mit Sorgen
Essen helfen, wenn der Herr nicht dabei ist mit seinem Segen. Zum Innern kam
dann auch das Äußere, welches alleine aber nie die Ruhe gibt ohne innern Grund.
Er konnte sich wieder helfen mit dem Gelde. Flut und Ebbe wechselten nicht so,
dass alles, was eingegangen, wieder abfloss, es
