, wie widerwärtig sie an sich auch sein mögen, so wie den
Muhammedanern die Wahnsinnigen heilig sind. Umgekehrt haben es die gemeinen
Naturen, für das Edle haben sie keinen Sinn; ists im Glanze, kriechen sie vor
ihm im Staube und lecken ihm die Füße, ists im Unglanz, werfen sie es mit Kot,
treten sie es mit Füßen. Vide Weltgeschichte bis auf die allerneuste Zeit!
Vreneli dachte bei Elisi immer: Vater, vergib ihm, es weiß nicht, was es tut.
    Was Vreneli schmerzte, war das Benehmen der Leute überhaupt. Missgunst trat
überall zutage, und diese erzeugte das heilloseste Streben, für edles Handeln
schlechte Gründe zu er grübeln. Das ist eine heillose Weise, die, wenn sie dem
Tun nichts anhaben kann, demselben einen schlechten Sinn unterschiebt. Diese
Weise vergiftet das Leben der edelsten Menschen, zerstört Erfolge, lähmt alle,
welche über das Urteil der Menge sich nicht erheben können. Vreneli war sich so
klar bewusst, jedermann das Glück zu gönnen, mit beiden Händen und ganzem Gemüte
bereit zu sein, Anderer Glück zu fördern und ihr Unglück zu wenden, und hatte
davon so manchen Beweis geleistet, dass es ihm wirklich wehe tat, diesen Sinn der
Welt in all seiner Bitterkeit erfahren zu müssen. Indessen will es Gott so und
es ist gut so; das sind die kühlen, frostigen Frühlingswinde, welche den zu
raschen und zu üppigen Aufwuchs der Pflanzen, welcher denselben so gefährlich
ist, hemmen. Dieses Sumsen und Reden soll den Christen demütig bewahren, dass er
sein Glück nicht als ein verdientes betrachtet, sondern als einen Segen Gottes.
Um Gottes willen soll er nach seinen Fehlern und Flecken spähen, sie ausreißen
und ausreiben mit schonungsloser Hand, und gälte es das rechte Auge und wäre es
die rechte Hand, an welcher das Ärgernis klebte, damit die Menge nicht sage,
Gott teile seinen Segen blindlings aus, sei darin den Großen der Erde gleich,
welche sehr oft ihre Gnaden an die Unwürdigsten verschwenden. Um Gottes willen
soll er sich als einen Verwalter der Gaben Gottes betrachten und treu sein, soll
durch Güte und Milde versöhnen, soll feurige Kohlen sammeln auf der Feinde
Häupter, soll zeigen, wie der Christ das Sprüchwort »Es gibt keine Schere, die
schärfer schiert, als wenn der Bettler zum Bauern wird« Lügen strafet. Der
Christ wird nie hochmütig, schämt sich nie derer, welche früher seinesgleichen
waren, verleugnet sie nicht um so greller, je mehr er fürchtet, man möchte
seiner Herkunft gedenken und die frühern Genossen ihm vorwerfen; im Gegenteil,
um so mehr Erbarmen hat er mit denen, deren Schmerzen er aus eigener Erfahrung
kennt, und um so brüderlicher hält er Herz und Hand offen,
