 als dort seid ihr
nirgends.« Dann hätten sie, was sie wollten, würden einige spitzige Worte sagen,
gehen, aber dann während ihrer ganzen übrigen Lebenszeit an jeder Sichelten und
sonst noch bei jedem Anlasse es rühmen, wie sie es einmal dem Meister gemacht,
was er gesagt und was sie gesagt.
    Das Aushalten in Ruhe und Würde hat etwas Ähnliches mit dem gelassenen
Aushalten eines indianischen Häuptlings, welcher von einem feindlichen Stamme
langsam dem Tode entgegengemartert wird, um schließlich skalpiert zu werden. Was
dabei das Unerträglichste, ist, dass solche Peiniger sehr oft nicht etwa die
schlechtesten Arbeiter sind oder die feind, seligsten, sondern die fleissigsten,
mit denen man das Jahr durch im besten Verhältnisse gestanden hat, von denen man
freundschaftliche Rücksichten erwarten sollte, ein Eingehen in des Meisters
Pein. Aber es ist, als ob sie einmal des Jahres genießen wollten, Herren zu
sein, den Meister zum Knecht zu haben, ihn ihre Laune empfinden zu lassen so
recht bis auf den Grund. Ein ganz ähnliches Gefühl herrscht da vor, welches bei
den Römern das merkwürdige Fest erzeugte, wo die Herren ihre Sklaven bedienten,
als seien diese zu Herren, sie zu Sklaven geworden. Darin lag Sinn und Witz und
beide tief; die Herren sollten ein ganzes Jahr lang nicht vergessen, dass ein
Sklave fühlt und wie er fühlt, die Sklaven sollten im Glücke dieses Tages ihr
Elend vergessen, nicht vergessen, dass sie Menschen seien und den Göttern
angehörten so gut als ihre Herren. Nun, so an einer Sichelten erfahrt auch der
Berner Bauer, was es heißt, von Launen abhängen, aus der Haut fahren mögen und
es nicht dürfen.
    Uli musste aushalten bis morgens halb sechs. Da erst sagte der Letzte: Wenn
niemand mehr bleiben wolle, so werde er auch gehen müssen, sonst müsse er aber
der Unverschämteste heißen und wäre ihm doch noch wohl da. Es dünke ihn, er sei
erst abgesessen. Indessen ging er und zwar so, dass man wohl sah, er müsse eine
geraume Zeit abgesessen gewesen sein, denn er fand die Türe kaum, und als er sie
endlich hatte, sah er die Türklinke nicht, obgleich die Sonne daran schien. Uli
hatte die Geduldprobe männlich bestanden, aber nicht aus selbsteigener Kraft.
Der liebe Gott hatte zur Geduld den Schlaf gesandt; dieser, wenn in Uli der Zorn
aufbrennen wollte, drückte ihm rasch die Augen zu, lähmte die Zunge, gaukelte
ihm ein klein Traumbild vor, dann wich er wieder.
    Uli fuhr auf, aber erfrischt, als hätte er ein kühlend Bad genommen. Die
Nerven hatten sich abgespannt, das Sieden des Blutes sich gelegt, eine halbe
Stunde konnte er sich wieder halten, dann brannte es wieder
