 mag: wo Geld nehmen und nicht stehlen?
    Johannes hatte also ein Wirtshaus mit bedeutender Landwirtschaft. Je größer
das Geschäft ist, welchem Menschen wie Johannes vorstehen, desto rascher geht es
dem Kuckuck zu. Es ist bekanntlich wegen Wasserverbrauch ein Unterschied, ob man
an eine Feuerspritze ein oder zwei oder ein halb Dutzend Röhren schraubt. Die
Landwirtschaft will von allen Wirtschaften den nachhaltendsten Fleiß und eine
stetige Behandlung, sonst verzehrt sie nicht bloß mehr, als sie gibt, sondern
das Kapital wird alle Tage geringer, das heißt das Land schlechter. Die
Gastwirtschaft von Johannes wurde alle Tage schlechter in dem Masse, als der Wirt
und die Wirtin die besten Gäste wurden, wenn das nämlich die besten Gäste sind,
welche am meisten brauchen und nichts zahlen. Je schlechter ihre Wirtschaft
wurde, desto mehr neue Wirtschaften entstanden um sie herum, desto weniger trug
die ihre also ein, desto mehr verringerte sie sich in ihrem Werte. Des Johannes
Besitzung war also eigentlich eine fressende, nicht eine nährende, keine
einträgliche, sondern eine austrägliche. Doch konnte Johannes nicht von ihr
lassen; das Leben eines Wirtes, der alle Tage frisches Brot, Fische und Fleisch
von allen Sorten haben kann, war seiner Natur zu zuträglich, um es lassen zu
können, auch hätte er für unsittlich gehalten, es zu lassen, denn auf der
heutigen Kulturhöhe hält man für die höchste Sittlichkeit ein Leben der Natur
gemäß. Er sagte, wenn er sie jetzt verkaufen wollte, so würde er fast die Hälfte
daran verlieren. Beide Besitzungen vermochte er nicht zu behalten, besonders da
sein Schwiegervater ihm nicht helfen wollte, sondern grobe Worte gab statt Geld,
er hatte sie wahrscheinlich auch besser. Den Vater hätte er gemolken, gab
derselbe zum Bescheid, jetzt werde er auch den Schwäher melken wollen, aber ohä,
das sei ein anderer Knebel. Wenn noch was da sei, wenn er sterbe, so komme es
allweg den Kindern kommod, es sei Zeit, dass einmal auch jemand an die denke. Er
war einer von denen, dieser Schwäher, welche immer die schönsten Fürwörter
haben, mit den Hauptwörtern dagegen desto schlechter bestellt sind. Er war einer
von denen, welche gerne viel vorstellen. Er hatte ein großes Haus und das Haus
voll hoffärtiger Töchter, von denen jede die Schönere sein und am wenigsten tun
wollte. Dies ist freilich auch eine strebsame Richtung, führt aber selten an ein
glänzendes Ziel, sondern zumeist an ein lumpichtes. Des Vaters Betragen musste
begreiflich Trinette entgelten, dadurch wurde sie nicht liebenswürdiger.
Johannes sagte: Man solle sie nur ansehen, was er mit einem solchen Storch als
Bäurin anfangen solle; für Wirtin, um unter der Türe zu sitzen und die Hände zu
reiben, möge
