 muss, wenn er nicht zu Boden getreten sein
will, dass er ihr abstreiten muss, was er sein nennen will. Die erlaubten
Streitweisen, das wahre Kriegsrecht findet sich in Gottes Gebot und nicht in
ochsenhaften Gelüsten. Wahre Grundsäue müssen aber wahr sein, im Kleinen und
Großen sich bewähren. Daher meinen wir, Napoleons Kriegsgrundsätze, mit welchen
er die halbe Welt bezwang, dann der halben Welt standhielt, bis die Übermacht
ihn ohnmächtig machte, seien von jedem Hausvater zu brauchen, der eine Ziege und
drei Hühner hat. Es liegt eine so wunderbare Einfachheit darin, dass sicher so
mancher Holzhacker wunderbare Triumphe über die Welt feiern würde, wenn er sich
die Mühe nehmen täte, dieselben sich zu eigen zu machen. Dass aber menschliche
Berechnung und die kaltblütigste Besonnenheit ihre Schranken haben und dass nicht
ein Mensch es ist, sondern ein ganz Anderer, der sagt: Bis hieher und nicht
weiter, das hat niemand wiederum besser erfahren als eben der Napoleon. Die
Anwendung aller in ihm liegenden Kräfte und die Bestimmung der Richtung dieser
Anwendung liegen am Menschen, den Ausgang aber bestimmt Gott.
    Das sind große Worte für kleine Dinge, aber die kleinsten Dinge sind für
den, welcher nicht größere erlebt, groß genug, um mit den größten Worten sie
auszudrücken, und die Zahl derer, welche nur sogenannte kleine Dinge erleben,
ist unendlich größer als die Zahl der Herkulesse, Alexander und Napoleon. Daher
wird dem Volksschriftsteller, welcher nicht für große Helden, nicht einmal für
eidgenössische schreibt, erlaubt sein, das sogenannte Kleine, aber den Weisen
das Wichtigste, auch mit den gewichtigsten Worten darzustellen, welche ihm zu
Gebote stehen.
 
                           Zweiundzwanzigstes Kapitel
                            Uli erlebt ein Abenteuer
Uli zählte seine Kühe, maß sein Heu und musterte seine Pferde, übersah sein
Stroh und was sonst in Speicher und Keller, Gänterli und Kammern war, hielt
Kriegsrat mit Vreneli und entwarf mit ihm Operationspläne. Da der Wirt nie Geld
hatte, sein Papier einzulösen, die Düngungsmittel fehlten, das Futter knapp
zugemessen war, weil das zweite Gras ganz oder doch ziemlich gefehlt, so ward
angemessen gefunden, den Viehstand zu beschränken, Schafe und Kühe, welche eben
nicht besondere Nutzung gaben, zu veräussern. Uli tat es ungern, er hatte
auserlesenes Vieh im Stalle, wusste wohl, dass zu wenig Vieh dem Hof schade und
was die Leute dazu sagen würden. Indessen muss man sich eben nach der Decke
strecken, und dem Hofe glaubte er so wohl getan zu haben, dass der jetzt um eines
bösen Jahres willen ihm auch dankbar sein könne. Landmann und Land müssen
gegenseitig sich aushelfen, und ist der Landmann treu, lässt das Land sich nie
beschämen, lässt seinen Meister nie im Stich.
    Indessen scheute Uli sich doch
