 und wie Gott das Verlorne suche und trachte selig zu
machen. Er fühlte einen unbestimmten Drang, ein Ungenügen, und dieses
verschwand, wenn er mit Vreneli sprach oder las in der heiligen Schrift oder an
göttliches Schaffen dachte, die Wunder der Welt betrachtete. Es war dies der
geistliche Hunger und Durst, welche begehren nach den Worten, welche aus des
Herrn Munde gehen, welche kennen die Speise des Erlösers, das Vollbringen von
des Vaters Willen. Es war der eigentliche Zug in ihm erwacht, ohne welchen
niemand zum Vater kommt; das wunderbare, unerklärliche Verlangen ward in ihm
stark und mächtig, welches Christus mit den Worten ausdrückte: »Mich verlanget,
das Passahmahl mit euch zu essen.« Es verlangte ihn nach dem Pfande, dass er
einer sei, der wohl in der Irre gewesen, aber wieder gefunden worden und über
den nun Freude im Himmel sei, nach dem Bewusstsein, zu denen zu gehören, welche
lebendige Glieder sind am Leibe, dessen Haupt Christus ist.
    In gesunden Menschen lebt ein Trieb des Zusammenhaltens, des Einsseins mit
Andern, man nennt ihn auch den gesellschaftlichen Trieb. Derselbe kommt in
hunderterlei Gestalten zum Vorschein. Wie oft ists einem Menschen, wenn er doch
nur da oder dort eingeladen, in diese oder jene Gesellschaft aufgenommen würde,
es ist der höchste Gegenstand seines Sehnens und Strebens. Ist er aufgenommen,
ist er mitten unter ihnen, sitzt er am ersehnten Tische, dann fühlt er sich
unendlich gehoben; er steht an einem Ziele, er ist glücklich, hoffnungsvoll, er
gehört einem Kreise an, der ihm Halt im Leben gibt, eine Stellung verschafft.
Ähnlich hat es das Kind mit dem Triebe, in die Kreise der Erwachsenen
aufgenommen zu werden, und einmal aufgenommen, wird es nicht fehlen, wenn der
Kreis sich sammelt, die Stunde mag es nicht erwarten, lange vor der Zeit steht
es draußen und klopfet an. Grade das gleiche Sehnen und Trachten nach der
Gemeinschaft ergreifet die, welche Christus angenommen haben. Es zieht sie zu
den Brüdern, sie sehnen sich, das Pfand zu erhalten und das Bewusstsein zu
stärken, dass sie aufgenommen seien, Christus angehören und vom Vater zu seinen
Kindern gezählt werden. Es strömt eine eigene Wonne durch die Berechtigten, wenn
sie weilen dürfen in den heiligen Kreisen und empfangen die heiligen Pfänder,
und keiner betrachtet die Berechtigung so gleichsam als ein altes Recht, welches
man ererbt hat, nichts abträgt, man jedoch nicht erlöschen lassen darf. Davon
hat natürlich keinen Begriff, wer den christlichen Zug nicht in sich trägt,
nicht geistigen Hunger und Durst hat, sondern bloß fleischliche Triebe und
moderne Richtung nach Kneipen, Kaffeehäusern, Spektakeln von allen Sorten, kurz
nach etwas Diesseitigem. Solcher Richtungen
