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der Mensch sei keine Sau, für den Schlamm geboren, sondern ein Wesen, das
gereinigt werden müsse, um zum Leben in höheren, reinern Regionen zu gelangen.
Dieses Gefühl ist kein angebornes, entstammt nicht dem Fleische. Wie eine Taube
aus den Himmelshöhen mag es sich zuweilen niederlassen auf erwählte
Himmelskinder, sonst ist es ein Kind der Zucht, der Zucht von Gott, der Zucht
von denen, durch deren Hand Gott die Menschen erziehen will. Wen der Herr lieb
hat, den züchtigt er und lässt ihn züchtigen, und diese Zucht wirket die
friedsame Frucht der Gerechtigkeit. Die Zucht wirket das Gefühl der Armut und
des Krankseins, ist die wahre Augensalbe, welche den Blinden das Gesicht gibt,
sie schauen lässt des Übels wahren Sitz, welche die Erfahrung gibt, aus welchem
Samen das Gute wächst, aus welchem das Böse, welche eben den Glauben gibt, dass
lieb der Herr die hat, welche er züchtigt, weil es nach den Züchtigungen dem
Menschen leichter, wohler wird, seine Kräfte sich gestählt, seine Freudigkeit
zugenommen hat. Diese Zucht wirkt ganz was anderes als die Unzucht der heutigen
großen Pädagogen und anderer Schulmeister. Diese Unzucht führt die Schüler nicht
weiter als dazu, Gott und Menschen zu hassen und unter allen Menschen die großen
Pädagogen und sonstigen Schulmeister am allermeisten. Man frage nach dem
Respekte der Schüler gegen die Lehrer, man frage nach Liebe und Anhänglichkeit,
nach Gehorsam und lebendigem Fleiße, nach gläubigem Vertrauen, man suche Trauben
auf Dornenbüschen! Unter der Zucht bildet sich der zarte Keim der Erkenntnis
dessen aus, was gut und heilsam ist den Menschen, bildet sich die Kenntnis der
Menschen aus. Man lernt unterscheiden, wer es gut meint oder gut zu meinen
scheint, wer bloß der Katze den Balg zu streichen oder den Menschen an der Seele
zu doktern weiß, da bildet sich der Glaube an Gott und seine väterliche Liebe,
der Glaube an die Erlösung durch Christum, der gekommen, zu suchen das Verlorne,
der durch Leiden gegangen, am Kreuze gestorben, um zu erquicken die Mühseligen,
Ruhe zu schaffen für ihre Seelen, der Glaube an den engen Weg mit Dornen besäet,
der zum Himmel führt.
    Es bildet sich überhaupt der Sinn für die Wahrheit aus, sei sie bitter oder
süß, komme sie vom Freund oder Feind, und der Hunger nach der Wahrheit, der in
ehrlicher Treue nach Befriedigung strebt, um ein immer erleuchteterer Christ zu
werden. Dieser Hunger ist, beiläufig gesagt, was ganz anderes als das Jagen nach
was Neuem, bloß um Professor zu werden und nichts weiter! Vom Vater der Lügen
und all seinen Propheten wendet man sich mit Abscheu ab und kriegt einen
förmlichen Ekel ob allem Balgstreichen und sonstigem Kitzeln des
