 in
seine höhere Stellung nicht finden konnte. In einem solchen finden gute Worte
noch gute Stätte. An solchen ließ es auch Vreneli nicht fehlen, tröstete, so gut
es konnte, sprach vom Werte des Hofes, von seinem guten Willen, von dem
Vertrauen zu Gott, der alles wohl machen werde, dass Uli die Ruhe kam und er
andächtig mit Vreneli beten konnte; darauf kam leise der Schlaf gezogen, hüllte
die Beiden in seinen dicksten Schleier, und als die Sonne kam, schlummerten
Beide noch süß und fest darin, und lange ging es, bis ihre Strahlen die Schläfer
zu wecken vermochten.
    Hui, wie Beide auf die Füße fuhren, als vor ihren langsam sich öffnenden
Augen plötzlich der helle Tag stund in vollem, sonnigem Gewande! Draußen
polterte das Gesinde, prasselte das Feuer, gackelten bereits die Hennen, und
Meister und Meisterfrau hatten sich noch nicht gerührt. Wohl, da schämten sie
sich und durften fast nicht aus dem Stübchen. Sie hatten sich wohl schon mehr
als einmal verschlafen, aber so ungern es wirklich doch nie gehabt als heute.
Wie die Leute das auslegen würden, dachten sie.
    Der Frühling ist eine herrliche Zeit, eine ahnungsreiche, wonnevolle.
Darüber werden doch wohl die Parteien von allen Farben einig sein, wie weit sie
sonst auseinandergehen mögen! Wie prosaisch und trocken ein Bauer auch sein mag,
im Frühling wird ihm doch das Herz größer und er denkt weiter als die Nase
lang. Er hat es seinen Äckern. Wiesen und Gärten gegenüber wie ein Vater, der
mitten in einem Dutzend blühender Kinder steht. Was wird aus ihnen werden, was
werden sie für Früchte tragen? muss er unwillkürlich denken. Wie der Kinder
Gesichter blühen, Gesundheit ihre Glieder schwellt, blühen und schwellen Freude
und Hoffnung in seiner Seele. So hat es auch der Landmann, besonders der junge,
welcher noch nicht manchen Frühling auf eigene Rechnung erlebt hat. Jede
Pflanzung wird ihm zum Kinde, und je üppiger sie grünt und blüht, desto üppiger
grünen und blühen seine Hoffnungen.
    Der Frühling, von welchem wir sprechen, war ein ganz eigen von Gott
gespendeter, als wollte er die Probe machen, ob die Menschen so weit in der
Aufklärung gekommen, dass sie zu begreifen imstande seien, sie selbst könnten
keinen solchen machen, auch sei es unmöglich, dass er von ungefähr käme, sondern
dass er von Gottes väterlicher Hand müsse gegeben sein.
    Mit Fleiß und Kunst bestellte Uli Saat und Acker, und Vreneli machte nicht
bloß fast alleine seine schwere Haushaltung, sondern half doch noch draußen, dass
männiglich sich wunderte, sorgte für den Garten, dass Kraut darin wuchs und Salat
nebst allerlei Kräutlein, welche einer vernünftigen Suppe wohl anstehen und
sonst in gesunden
