 In seinen hellblauen Augen lag Entschlossenheit des Charakters; das
Gefühl des »Sich auf sich selbst Verlassen könnens« war unverkennbar seinem
ganzen Wesen aufgeprägt. Hartwig war ein durchaus zuverlässiger Mensch, oder wie
Gilbert sagte: »ein braver Junge.«
    - Was wird's gewesen sein - sagte er halb ironisch, als die Frage über die
Quadratur des Zirkels für alle Proletarier, das Eigentumsrecht.
    - »Eigentumsrecht« - brummte Hartwigs Nachbar, ein alter Griesgram mit
weißen Haaren, der mit ihm in derselben Werkstätte arbeitete, - dummes Zeug: das
ist ja eben die Frage, ob Recht oder Unrecht. Schwatzt der Gelbschnabel von
Eigentumsrecht; ich aber sage, es gibt kein Eigentumsrecht, es gibt nur ein
Eigentumsunrecht.
    - Bravo, Vater Steiger! - rief Gilbert aus - Du kennst Deinen
socialistischen Katechismus wie das Vaterunser, oder noch besser. Aber stör' uns
jetzt nicht. Fahr fort, Hartwig, mein Junge.
    - Ralph, der immer den Superklugen spielen will, fing damit an, den ersten
Satz Proudhons, »das Eigentum ist Diebstahl«, zu erklären und meinte, man müsste
ihn eigentlich umdrehen und sagen: der Diebstahl, oder noch deutlicher, der Dieb
ist der wahre Eigentümer.
    - Und das ist auch ganz vernünftig - brummte Vater Steiger.
    - Das lässt sich hören - meinte gravitätisch Gilbert. - Und wer unternahm es,
dem zu widersprechen?
    - Ich - sagte mit Stolz Hartwig. - Und ich glaube, ihn vollständig
geschlagen zu haben.
    - Nun lass hören - sagte lächelnd Gilbert
    - Wenn der Dieb der wahre Eigentümer sein soll, und dies allgemein
anerkannt wird, so kann dies nur soviel heißen, als: die Menschen sind berufen,
Diebe zu sein; damit hört aber zugleich der Diebstahl auf, ein Unrecht zu sein,
und man kann folglich gar nicht mehr davon reden. Wenn aber kein Dieb mehr
existiert, so kann man auch gar nicht mehr den Satz aufstellen, dass der Dieb der
wahre Eigentümer ist. Soll also dieser Satz einen Sinn haben, so kann er nur
der sein: ein wahrer Eigentümer existiert nicht, sondern wer sich als
Eigentümer gerirt, der allein ist als Dieb zu betrachten, weil er für sich
allein behalten will, was Allen gehört. -
    - Dummes Zeug! - meinte der alte Steiger.
    - Bist ein tüchtiger Logiker, mein Junge - sagte beifällig lächelnd Gilbert
- und nun der Schluss?
    - Sagen wir also - fuhr jener fort - was ich bewiesen habe: Wer als
Eigentümer für sich auftritt, ist als Dieb an dem Eigentum der Gesellschaft zu
betrachten - so sind wir damit auf den Proudhon'schen Satz: la propriété c'est
vol zurückgekehrt, woraus folgt,
