 jedoch eine Art von
Gesichtern, deren charakteristische Merkmale weniger in den Hauptzügen, als in
scheinbar unwichtigen Nebenlinien liegen, die, weil sie weniger in die Augen
fallen, sich auch unbewachter und gleichsam unabhängiger vom Bewusstsein des
Menschen selbst entwickeln und gestalten. Hauptsächlich ist dies bei geistig
begabten aber unedlen Naturen der Fall; denn edle Naturen sind zu stolz für eine
solche Überwachung der Mienen Seitens des Bewusstseins, und einfältige Menschen
haben nicht die geistige Kraft und Stärke der Reflexion dazu. So sprach sich
auch die dämonische Natur Korneliens nicht in dem allgemeinen Schnitt des
Gesichts und in den einzelnen Hauptzügen aus, die vielmehr einen Charakter von
Bonhommie und gutmütiger Freundlichkeit an sich trugen, sondern in den fein
zusammengekniffenen Augenwinkeln, in dem unsicheren, mattglänzenden grauen Auge
und in einer schmalen, langen Furche, die sich von beiden Seiten der Nase mit
einer unanmutigen Wendung um die Mundwinkel herum schlang, aber nur sichtbar
wurde und dann dem Gesicht einen sonderlich unheimlichen Ausdruck verlieh, wenn
sich der untere Teil des Gesichts zu einem Lächeln verzog. Ihr Mund war eher
klein als groß zu nennen, aber sehr dünn, farblos und ohne schönen Schnitt,
während die Nase so wie die Stirn keine unedle Bildung zeigte. Der unangenehme
Eindruck, den die wirklich auffallende Magerkeit ihres Gesichts, Halses und
Nackens in Jedem hervorbrachte, der an schönere Formen gewöhnt war, wurde noch
durch die dunkle Schattirung ihres Teints erhöht, welche vielleicht mit der
Farbe des Pergaments hätte verglichen werden können, wenn das Gelb des letzteren
mehr Grau und weniger Glanz entielte. Ihre Kleidung schien zwar im Gegensatz zu
der des Barons jede auffallende Abweichung vom herrschenden Geschmack der Mode
absichtlich zu vermeiden, ohne indes sowohl in Rücksicht auf die Wahl der
Stoffe, als auf deren Zusammenstellung, den reinen Geschmack und den feinen Sinn
für elegante Einfachheit und ungezwungene Harmonie zu bekunden, worin jener eine
eben so große Zartheit als Sicherheit besaß.
    Kornelia trug an diesem Tage ein Kleid von schwerer hellgrüner Seide, dessen
weiter Ausschnitt dem Auge vollkommene Freiheit ließ, nach den Reminiscenzen
früherer Fülle und Schönheit des Halses zu suchen. Ein italienischer Strohhut,
mit einer Straussfeder geschmückt, - Kornelia trug nur diesen Putz - ein
chinesischer Sonnenschirm und eine weiße Atlas-Mantille bildeten das übrige
Kostüm.
    »Treten Sie leiser auf« - sagte Kornelia zum Baron, als sie eben in eine
Kreisallee eintraten, die, wie man schon aus den hier und dort zwischen den
Gipfeln der Bäume durchbrechenden breiteren Lichtstellen schließen konnte, einen
freien Platz umgab. Nur auf einem schmalen Steige, der die eine Seite der
dichten, aus jungen Buchen bestehenden Allee durchbrach, gelangte man in das
Rondel selbst und überzeugte sich dann, dass das, was man für einen freien Platz
gehalten hatte, ein kleiner Teich
