 leben, ich mag Nichts mit der Menge gemein
haben, und mein Fatum ist mir gnädig gewesen: ich heiße Diogena, ein Name, den
vielleicht Niemand außer mir trägt auf Erden. Vielleicht hat mich dies für meine
exclusiven Neigungen prädestinirt.«
    Indem ich diese Worte sprach, hörten wir in meinem Laboratorium das Platzen
einer Retorte, und der Professor, auf den dieser Ton eine magnetische Attraction
übte, stand auf, um sich zu überzeugen, was geschehen sei. Ich blieb mit
Friedrich allein und sagte: »Mir wäre es ganz recht, wenn das ganze Laboratorium
in die Luft gesprengt würde, den Professor ausgenommen.«
    »Und doch behauptet mein Freund, Sie wären mit dem Studium der Chemie
leidenschaftlich beschäftigt,« meinte Friedrich.
    »Ich war es, jetzt ist die Zeit vorüber. Ich kenne jetzt von der Chemie
Alles, was man bis auf diese Stunde entdeckt hat, ich bin zu neuen unerhörten
Forschungen vorgedrungen; was ich suchte, fand ich nicht, und so hat ihr Reiz
für mich aufgehört.«
    »Und darf ich fragen, welches Problem Sie zu lösen begehrten?«
    »Ich hoffte aus der Art, in der sich in der Natur die wahlverwandten
Elemente ergreifen, um sich unauflöslich zu fassen und zu vereinen, eine
Analogie zur Decouverte des Wahlverwandten in den Menschennaturen zu finden.
Während ich die Dinge in ihre Elemente auflöste, hoffte ich den Weg zu der mir
verwandten, mir ewig eigenen Menschennatur zu finden, es reussirte nicht und so
bin ich der toten Wissenschaft müde und um eine Illusion ärmer.«
    »Das heißt um eine Wahrheit reicher!« sagte Friedrich.
    
    »Das ist auch eine von den modernen Tendenzphrasen, die ich hasse. Ich suche
die Wahrheit nicht, ich suche die Liebe und das Glück.«
    »Sie suchen die Liebe? In Andern oder in sich?«
    »Ich fand sie weder in jenen noch in mir.«
    »Sie, Sie, Gräfin! Sie suchten nach Liebe und vergebens? Aber das ist ja
unmöglich, da Jeder anbetend und verlangend vor Ihnen niederstürzen muss!«
    »Was wollen Sie,« sagte ich indifferent, »es mag in einer fehlerhaften
Organisation meines Herzens liegen, dass die Liebe nicht in demselben agiren und
reagiren kann. Ich möchte das Herz in seiner physischen Structur kennen, um es
in seinen Empfindungen danach zu beurteilen. Ich möchte wissen, wie das
Fluidum, das die Welt beseelt, das in dem einzelnen Menschen agirt und von ihm
ausströmt, auf die ihm verwandte Natur influirt. Mit einem Worte, ich möchte
Antropologie studieren und Anatomie treiben. Wollen Sie mein Lehrer sein?«
    »Haben Sie jemals eine Leiche gesehen, gnädige Gräfin?«
    Ich dachte
