
gespielt. Jetzt fand ich, dass dieser Mann die Mühe verlohnte, sich für ihn aus
den indolenten Alluren zu reißen. Ich richtete mich empor, kreuzte graziös meine
Füßchen auf dem Tabouret und lehnte meine superbe, sammetweiche, fabelhaft
kleine Hand auf das dunkle Sophakissen. Sie sah darauf aus wie eine rötliche,
chinesische Primel, die im Frühjahr zum ersten Sonnenstrahl aus dem dunkeln
Erdreich hervorguckt. Ich merkte, dass Friedrich, trotz seines Selbstgefühls,
trotz seines forcirten Spottes, kein Auge von meinen Händchen verwenden konnte,
und ich gönnte ihm generös die Freude des Anstaunens, indem ich sie in das
rechte Licht brachte.
    »Aber um Alles in der Welt, lieber Professor!«
    sagte ich lachend zu dem Chemiker, der schweigend und ganz verwundert über
diese originelle erste Entrevue dagesessen hatte, »was haben Sie mir da für
einen wunderlichen Gast gebracht. Ich glaube, Sie wollen mich persuadiren, statt
der chemischen Analysen einmal einen Charakter zu analysiren, wer weiß, ob ich
dazu das Talent habe und ob die Elemente nicht so flüchtig sind, dass ich sie
nicht zu fixiren verstehe.«
    »Sie würden noch mehr erstaunen, verehrteste Gräfin,« sagte der Chemiker,
»wenn Sie wüssten, was meinen Freund zu Ihnen geführt hat. Er ist ein
begeisterter Anhänger der Jetztzeit, des Liberalismus, der Entwickelung der
Humanität, wie sie sich jetzt unter uns offenbart, und war begierig, Sie,
gnädige Gräfin, kennen zu lernen, weil ich ihm erzählt hatte, dass all dieses für
Sie gar nicht existire.«
    »In der Tat,« fiel ihm Friedrich, abermals flüchtig errötend, in das Wort,
»in der Tat, ich war begierig, eine Frau kennen zu lernen, die ganz Paris als
das Wunder der Schöpfung anstaunt, deren Geist alle Welt anerkennt und die es
dennoch möglich gemacht haben sollte, sich vor dem Einflusse der heiligsten und
erhabensten Ideen zu bewahren, die die bewegende Kraft unsers Jahrhunderts
sind.«
    »Also auf eine Proselytin war es abgesehen!« rief ich aus. »O, mein Herr
Wahl! den Gedanken desavouiren Sie gewiss, wenn Sie mich kennen. Ich bin nun
einmal von einer besonderen Natur, ich bin wunderbar exclusiv, mein Geist hat
seine eigentümlichen Alluren. Vielleicht, dass ich mich zu groß fühle, mich in
Ihre heilige Allgemeinheit zu verlieren, vielleicht scheine ich mir eines
besonderen Loses würdig, ein être à part zu sein. Denken Sie, was Sie wollen.
Geben Sie mir Seraphsschwingen, mich zum Äther zu tragen, oder die
Fledermausflügel eines Dämons, mich hinabzusenken in die nächtlichen Tiefen der
Existenz - nur vor den Alluren Ihrer staubgeborenen Menschen lassen Sie mich
sicher sein. Ich mag nicht im Staube
