; sondern meine Ehre, - merke Dir,
Johanna, meine Ehre! Bis Morgen früh muss ich im Besitz dieser Summe sein, oder
mein Name ist gebrandmarkt für immer, und meiner wartet gefängliche Haft. Alles
steht auf dem Spiel; alles muss gewagt werden und daran gesetzt an die Rettung.«
Wie ein schwerer Unheil drohender Traum, aus dessen Banden sich die Seele
vergebens loszureißen sucht: so wirkten diese Worte auf Madame Oburn, und es
währte lange, ehe sie ihren ganzen Sinn gefasst. Außer sich warf sie sich vor
ihrem Gatten auf die Kniee nieder, und rief leidenschaftlich: »Oburn, verlange
das nicht von mir! Ich will für Dich arbeiten, für Dich betteln; doch nimmer den
Prinzen um Hilfe flehen! Wenn Du wüsstest - ja wenn Du wüsstest -« ein eisiger
Frost schüttelte bei dieser Erinnerung die zarten Glieder - »welch' unseliger
Stern mich schon mit ihm zusammengeführt; Du würdest das nimmer von mir
verlangen!« »Närrinn! Ich mag, ich will nichts wissen - es ist mein fester
Entschluss, dass Du, gerade Du, den Prinzen bewegen sollst, uns zu retten. Auf ein
paar Weibertränen kann ich nicht Rücksicht nehmen, wo es darauf ankommt,
Hunderte von Menschen vor gänzlichem Verderben zu retten. Das solltest Du selbst
überlegen, wenn es Dir überhaupt mit Deinen schönklingenden Redensarten Ernst
ist. Hier ist nichts mehr zu wählen und zu besinnen!«
    Herr Oburn hatte das Zimmer schon längst verlassen, als seine Gattin noch
immer starr dasaß, bewusstlos und gefühllos. Es gibt solche Augenblicke, in
denen die Seele alle Farben und Formen des Lebens, alle festen Gedanken und
festen Gefühle verliert, und sich ganz in die einförmig schwarze Nacht der
Existenz versenkt. Nur das dumpfe Brüten bleibt, und der Alpdruck eines
namenlosen Schmerzes!
    Madame Oburn rang sich plötzlich aus dieser Apathie los, sprang hastig auf,
lief in das Komtoir, und ersuchte atemlos den Buchhalter um das Kontobuch ihres
Gatten: »Ich beschwöre Sie, Ehrig, sagen Sie mir aufrichtig, wie steht es mit
meinem Mann?«
    Ehrig schaute sie mit kummervollen Blicken an, und erwiderte ganz leise:
»Gnädige Frau! Werden Sie auch stark genug sein, die Wahrheit zu ertragen?
Wohlan denn, ich schwöre es bei meiner Ehre! Wenn Ihr Gatte nicht bis Morgen die
Wechselschuld von 10,000 Rtlr. decken kann, so ist das Geschäft ruinirt und die
Fabriken werden von den Kreditoren um einen Spottpreis verkauft.«
    »Haben Sie alles versucht, alles?« frug die junge schöne Frau mit einem
flehenden Blick, der dem Buchhalter bis in's Innerste drang. »Oburn hat viele
Freunde; will ihm Niemand helfen?«
    »Niemand
