 kann nicht vergebens sein; die Macht des
Gedankens wird und muss die Welt unterwerfen. Das geheiligte Recht, das eine
sklavische Gelehrsamkeit nur zu glossiren und zu erläutern wagte, ist von der
Wissenschaft nachgewiesen als ein Unrecht, das in seinen neuesten Entwickelungen
schwer auf der Menschheit lastet und sich selbst auflösen muss. Eine Reform tief
eingreifender Übel, die den Schein des Guten, das bestehende menschliche und
göttliche Gesetz für sich haben, muss eine Revolution verhindern.
    Die Besitzenden müssen nicht länger ihre Ohren verstopfen vor dem neuen
Evangelium der Liebe, das ihnen gepredigt wird, ein verstocktes Pharaonentum
wird ihr eigenes Verderben sein. Die kleinen Geldtyrannen, welche auf ihr Erbe
so stolz sind, wie die Herren von Gottes Gnaden auf das ihre, und einen
Despotismus en miniature ausüben, werden, wenn sie nicht freiwillig abstehen von
so quälendem régime, eine Revolution hervorrufen, welche den ganzen Bau der
Gesellschaft zusammenschüttelt; der gegenüber die französische Revolution nur
ein politisches Kegelschieben war. Darum, ihr Besitzenden! Erkennt die
unveräusserlichen Menschenrechte an, in einer Association des Friedens und der
Liebe, ehe sie euch proklamirt werden, von einer blutigen Association des Hasses
und des Krieges.
    Herr Oburn war indes von solchen Gedanken weit entfernt. Er sah, dass die
Arbeiter sich beruhigten, ohne die geheime Ursache zu kennen. Darüber
triumphirte er: »Sehen Sie, Herr Ehrig! die Leute sind, ohne Lohnerhöhung, doch
geblieben! O ich weiß sie zu beurteilen; ich verstehe, sie zu behandeln! Das
Volk muss gedrückt sein - der Druck ist sein Lebens-Element! Wenn es erst
anfängt, frei aufzuatmen, dann ist es um den Wohlstand der Fabrikherrn
geschehen!«
    Ehrig erwiderte nichts auf diese Reflexion. Seine Gedanken waren bei der
schönen, jungen Frau, die durch eine so edle Praxis der Humanität ihres Gatten
Teorieen beschämte.
 
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In der ziemlich bedeutenden Provinzialstadt, in welcher Oburn seinen Wohnsitz
aufgeschlagen, war in diesem Winter ein aussergewöhnliches reges,
gesellschaftliches Leben. Zwar nahm Oburn und seine Frau gegen die frühere
Gewohnheit keinen Teil an diesen Vergnügungen, sondern lebte still und
zurückgezogen, in einsamer Verstimmteit, während der ganze Ort wie ein in Szene
gesetzter Roman der Gräfin Hahn-Hahn aussah, in welchem bekanntlich die
Gesellschaft und die Gesellschaften die Hauptrolle spielen und alles Heil der
Welt in den feinen Ton und in die konventionellen Formen gesetzt wird.
    Veranlassung zu diesem lebendigen Treiben mochte wohl der Aufenthalt des
Prinzen C** geben. Ihm zu Ehren reihte sich Fest an Fest, Ball an Ball; die
reiche Kaufmannschaft ließ ihre Goldminen springen; selbst Offiziere und Beamten
stürzten sich in ehrgeizigem Wetteifer in eine Schuldenlast, um mit der
Bewirtung eines fürstlichen Hauptes prahlen zu können, eine Begnadigung und
Ehre, die sich in
