 Honorar
seinen pflichtschuldigen Dank abzustatten. Die unermüdliche Zunge dieses jungen
Aeskulaps erging sich noch nebenbei in mancherlei Mitteilungen aus der
Badewelt. Er schloss die Karlsbader Tageschronik mit einer interessanten, aber
traurigen Neuigkeit. »Wissen Sie schon, dass heute Morgen im Schlossgarten zu
Schlackenwert ein Duell zwischen dem Prinzen C** und dem Baron Stein
stattgefunden hat, und dass der Letztere dabei gefallen ist? Man beklagt
allgemein den liebenswürdigen, jungen Mann, und die Neugier müht sich ab, die
verborgene Veranlassung zu diesem unglücklichen Duell zu entdecken. Prinz C**
soll, wie mir eben sein Leibarzt erzählt, durch diesen Fall tief erschüttert
sein, und ist, wie Sie, meine Gnädige, eben im Begriff, Karlsbad zu verlassen.«
    Madame Oburn presste, ohne ein Wort zu entgegnen, krampfhaft ihre beiden
Hände auf das Herz. Ihrem Gatten sowohl, wie dem Arzt, entging es, welch'
unheilbaren Riss diese Worte in ihr Leben gemacht. Fast gefühllos, ließ sie sich
in den Wagen heben, und lehnte das Haupt in die weichen Kissen. Bei der ersten
Barrière traf ihr Wagen mit dem Reisezug des Prinzen zusammen - dann fuhr sie
gen Osten, er nach Westen!
 
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Das traurige Schicksal des Baron Stein hatte in Karlsbad überall die regste
Teilnahme erweckt. Wenn auch die Bedeutung seines Wesens der Menge entging;
wenn ihn auch viele für einen Schwärmer, für einen Sonderling hielten, für einen
Melancholiker, der mitten in dem Leben und Treiben der großen Welt für seine
Gedanken sich ein eigenes Reich erschuf, so wurde er doch in allen Salons gern
gesehen; denn er galt für eine interessante Erscheinung, und hatte die feinen
Manieren und den edelen Anstand eines Gentleman. Baron Stein war von seiner
Familie für die diplomatische Karriere bestimmt worden; doch sein Herz blieb der
kalten Taktik dieses Feder-Despotismus fremd, und hing mit treuer Begeisterung
an den burschenschaftlichen Idealen seiner Jugend. So war sein Inneres in einen
unlösbaren Zwiespalt zwischen Neigung und Beruf, zwischen den Ansprüchen des
Herzens und den Forderungen der Welt hineingeraten. Dieser innere Kampf, der
ihn nach außen hin kalt und abgeschlossen machte und auch jedes versöhnende
Element fernhielt, mit dem vielleicht ein edles, weibliches Herz in treuem,
innigem Verständnis, sein Leben beglückt hätte, spricht sich, in seiner ganzen
Bedeutung, in dem Tagebuch des Barons aus. Einzelne Blätter daraus wollen wir
unsern Lesern nicht vorenthalten, da gewiss die kurze Episode aus dem Leben des
Barons, die wir mitgeteilt, bei ihnen das Interesse für sein inneres Leben
erweckt.
                               Tagebuch-Blätter.
Die Feuer der Wartburg sind ausgebrannt, und die officielle Geschichte trägt
eine jugendliche Verirrung in ihre Bücher ein, während die Inquisition mit ihren
Ketten und Torturen, wiederum durch die deutschen Lande rasselt. Eine
