, mit
Grazie in jeder Bewegung. Stolz auf seine Begleiterinn ritt Stein ihr zur Seite.
Unter leichten, scherzhaften Gesprächen, den Eingebungen des Augenblickes,
erreichten sie den Schlossgarten Schlackenwerts. Leicht sprang die Reiterinn vom
Pferde, übergab es dem Diener und warf sich nachlässig auf eine geflochtene
Weidenbank, die in der alten Kastanienallee, unter dem Schatten hoher Bäume,
stand. »Hier ist mir wohl und heimlich,« rief sie aus; »hier erinnert mich alles
an meine Jugendzeit! Drüben die alte Dorfkirche, das kleine trauliche Pfarrhaus.
O welches friedliche Glück mag jene engen Räume bewohnen! Wie töricht, sich
immer hinauszusehnen in's Weite, während allein in dem nächsten Kreis, in enger
Umgränzung wahre Befriedigung möglich ist!«
    »Sie sind auf dem Lande erzogen, gnädige Frau? O schildern Sie mir Ihre
Kindheit! Meine aufrichtige Teilnahme macht mich ihres Vertrauens wert.«
    »Mein Vater war Prediger auf dem Lande; ich sein einziges Kind! Aus den
engen Lebensverhältnissen sehnte ich mich hinaus und vor meiner Seele stand, als
einzig erstrebenswert, ein bewegtes Leben mit allen Freuden der Welt: Ich war
bis zu meinem sechszehnten Jahre fast nie über die Gränzen unseres Dorfes hinaus
gekommen; nur meine Phantasie, deren angeborene Glut durch mannigfache Lektüre
genährt war, schuf mir, jenseits des idyllischen Bereichs, ein Eldorado voll
unbestimmten Glückes. Jedes Postorn, das von ferne her durch die einsame Gegend
schmetterte, entlockte mir Tränen der Sehnsucht. Ich wollte in die Welt; ich
wollte glücklich sein! Jetzt« - fuhr sie bewegter fort; - »jetzt habe ich die
Welt, und was darin Glück heißt, kennen lernen; Reichtum, ein glänzendes Leben
hat mir das Schicksal geschenkt, und nun ich alles das erreicht, alles genossen
- nun ist es mir wertlos - hat in Wahrheit nie für mich Wert gehabt. Das habe
ich mir längst mit Schmerz bekannt, und fühle es stündlich drückender! Und so
sehne ich mich jetzt zurück nach der friedlichen Heimlichkeit engumschlossener
Verhältnisse, die ich einst in jugendlicher Hast zu durchbrechen wünschte!«
    »Sie sind ungerecht gegen sich, gegen andere, gnädige Frau! Ein freundliches
Schicksal hat sie in die Welt geführt - uns allen zum Heil! Es liegt in Ihrem
Wesen etwas Freies und Frisches, das Erlösung bringt von all' den verknöcherten
morschen Verhältnissen, von all' der Heuchelei einer in sich zerfallenen
Gesellschaft! Und ist es nicht lohnender Beruf genug, auch nur einzelne Geister
erquickend aufzurichten, welche in der allgemeinen Erschlaffung und Zerrüttung
sonst ratlos untergehen würden! Solche Erlösung haben Sie mir gebracht; solche
Erlösung werden Sie noch Vielen bringen!«
    »O Egoismus der Männer! Auch die besten denken nur an sich selbst!«
