, Religion,
Volkssitte, Vaterlandsliebe - alle diese Dinge, für welche Jahrtausende lang die
Menschen aller Zonen und Zeiten lebten und starben - als Trugschlüsse verwirrter
Menschengeister erklärt, aus denen endlich die ganze zu Verstande gekommene
Menschheit wieder heraus müsse, wenn sie nicht länger ein sinnloses Treiben
fortsetzen und darüber zu Grunde gehen wolle. Der Kommunismus will das
Himmelreich auf Erden verwirklichen, indem er ferner Gütergemeinschaft verlangt,
Aufhebung des Kapitals, Abschaffung des Geldes, jenes wesenlosen Dinges, welches
nach ihrer Meinung als ein entseeltes Gespenst, das vergebens nach seinem Leibe
jagt, (denn es hat eigentlich Beides: Seele und Körper - und doch auch wieder
Beides nicht!) und die Menschen von einander trennt, indem es ihre Verbindung
vermitteln will. So sollen künftig diese verbrüderten Menschen (was, nebenbei
gesagt, unendlich langweilig sein muss!) zusammen wohnen in schönen bequemen
Palästen, wo Niemand mehr zu hungern und zu frieren braucht, sondern für Alle
das Haus geheizt und der Tisch gedeckt ist. Ihr ganzes Leben soll Genuss sein,
Genuss der freien Liebe und aller andern sinnlichen Freuden, und dafür soll ein
Jeder nur täglich zwei Stunden arbeiten - und diese Arbeit ihm selbst ein Genuss
sein.
    Das ist das Ideal der Kommunisten.
    Trachten wir danach, dieses Ideal verwirklichen zu helfen, oder lassen wir
vielmehr sie mit ihrem redlichen Willen und ihrem verblendeten Verstand danach
streben - denn sobald sie terra rasa gemacht haben für die ganze Menschheit,
sobald sie die Millionen friedlich eingepfercht haben in die großen Ställe, in
welchen sie ausruhen und sich nähren können von der gleichen Weide zu gleichem
Teil - alsbald werden sie auch des Hirten wieder bedürfen, die Heerde in
Ordnung zu halten.
    Damit diese Gleichheit in Arbeit und Genuss niemals gestört werde, wird eine
so organisirte Gesellschaft einer Beaufsichtigung, einer Bewachung bedürfen, wie
sie bisher ohne Beispiel gewesen in der ganzen Welt - denn die ganze
Weltgeschichte weiß nichts Ähnliches! - Und dann werden wir an unserm Platz
sein.
    Wir werden dann diese Aufsichtsführungen uns zu verschaffen wissen - und
dann wird die Zeit unsrer glänzendsten Herrschaft kommen.
    Lange Jahrhunderte hindurch haben wir die menschliche Gesellschaft über uns
zu täuschen gewusst - so wird es uns auch nicht an Mitteln fehlen, diese neue
Gesellschaft zu täuschen. Wir werden das Regiment über sie in unsere Hände
bringen, ohne dass sie ahnt, in welchen Händen es ist.
    Und wenn sie gleich auf einige Zeit unsere Kirche abgeschafft haben, so
werden wir sie doch in Kurzem wieder herrlich aufbauen.
    Denn das bezeugt die Geschichte und alle Erfahrung: es wohnt tief in jeder
Menschenbrust ein religiöses Bedürfnis. Ein Bedürfnis, für sich selbst ein
höheres Wesen zu fühlen und zugleich ein verwandtes Höchstes über sich
anzuerkennen.
    Dieses Bedürfnis wird auch in dieser
