: »Du bist ja jetzt weit herumgekommen, Du
bist ja in jenen Staaten gewesen, wo die Bürger freier sind, als bei uns, und
die Arbeiter nur desto gedrückter - dort sagt man ja, es gähre überall, dort
wohne das, was Du Kommunismus nennst? Erzähle!«
    »Ja, es will sich überall regen mit unheilvollen Zeichen. Gefährliche
Verbindungen gründen sich auf gefährliche Systeme, die auf den Umsturz aller
bestehenden Verhältnisse hinaus laufen -«
    »Aber, Gustav, was soll endlich werden? Du nennst jene Systeme gefährlich -
gefährlich sind sie für die wenigen Tausende, welche jetzt im Besitz und im
Rechte sind - aber für die Millionen Rechtloser und Enterbter sind sie doch die
einzige Rettung! - Meine Geduld geht zu Ende; ich schwöre sie ab. Wenn ein edles
Volk unter schändlichen Tyrannen Fessel nach Fessel um sich schlagen sieht - so
empört es sich endlich gegen seine übermütigen Herrscher - die Armen sind alle
ein großes unglückliches Brudervolk - warum sollen sie es nicht auch tun? Warum
sollen die Armen nicht: »Freiheit und Gleichheit!« rufen? Wir wollen ein großes
Brudervolk werden - brüderlich die Arbeit teilen, brüderlich den Genuss - und
hat man uns jetzt mit Gewalt unglücklich gemacht - warum sollen wir nicht
versuchen, durch Gewalt glücklich zu werden? -«
    »Du appellirst an die Gewalt - Dein Gefühl sagt Dir, dass die Gewalt der
Reichen ein Unrecht, ein Verbrechen ist - und was würde die Gewalt der Armen
Anders sein?« Gustav griff nach einem Buche, das unter andern Büchern und
Papieren auf dem nächsten Tische lag. »Jene Leute,« sagte er, »deren Lehren zum
Teil in dem Schreiben enthalten sind, welches man an Dich gerichtet hat, meinen
es vielleicht redlich mit der Menschheit, ich will sie nicht verdächtigen. Sie
lieben die Menschheit und ihre Not hat ihnen in's Herz geschnitten - und so
haben sie einen Plan ausgesonnen, die ganze Welt zu beglücken, welcher auf den
ersten Anschein viel Bestechendes hat, weil er durch ein allgemeines Band der
Liebe die Menschen zu vollkommener Gleichberechtigung vereinen will. Aber darin
ginge die persönliche Freiheit zu Grunde - und eine solche Gemeinschaft, in der
ein Jeder seine bestimmte Arbeit zu genießen bekäme, dafür aber nie mehr zu
hungern und zu frieren, nie für sich selbst zu sorgen brauchte - hat ihre
Vorbilder bei dem Loos der Amerikanischen Sklaven und der Russischen
Leibeigenen. Dawider empört sich der freigeborene Mensch, dessen Glück im
Streben beruht. Und empörte sich nicht Dein Herz dagegen, als man Dir Deinen
Gott und Dein Vaterland nehmen wollte? Jenes System des Kommunismus macht die
Menschen zu Sklaven, denn es zwingt einen Jeden zur Arbeit, es macht sie zu
Kindern
