 sahen immer ein Wenig scheel auf den. Polenflüchtling,
und behandelten ihn nie mit verwandtschaftlicher Herzlichkeit, sondern oft mit
kaltem Stolz, mit verächtlicher Zurücksetzung. So lernte Jaromir früh das Leben
von der ernstesten Seite kennen; er bezog ein Gymnasium, und dann die
Universität. In den Ferien kam er nur auf den ausdrücklichen Wunsch seines
Oheims in dessen Haus, wo er sich gedrückt fühlte. Jaromir war fest
entschlossen, so bald als möglich die Wohltaten seines Oheims nicht mehr
anzunehmen, deshalb studierte er. - Aber was konnte es ihm nützen? Konnte ein
vertriebener Pole auf eine Anstellung in Deutschen Staaten rechnen? - Er griff
zu dem einzigen Mittel, welches ihm übrig blieb, um wenigstens im Augenblick
eine kleine Quelle des Erwerbes sich zu öffnen - er ward Schriftsteller! Er
hatte Genie - und er schrieb mit Begeisterung - er wählte den neuen Beruf nicht
allein aus Not, und weil keine Wahl ihm blieb, er war ihm zugetan mit Lust und
Liebe. Aber trauriges Schicksal des Armen, der in Deutschland der Muse leben
will, und zugleich auch gezwungen ist, von ihr zu leben! Jaromir entging ihm
nicht - - - oft, wenn er sich gedrungen fühlte, die Feder zur Hand zu nehmen,
und ein Lied niederschreiben wollte, wie er es tief im Herzen fühlte - oft warf
er das kleine Blatt Papier wieder weg, auf das er die erste Zeile geschrieben,
und griff nach einem großen Bogen, denn noch heute musste der Journalartikel
fertig sein, den er zu liefern versprochen hatte, und den man ihm gut bezahlte;
das Lied aber bezahlte ihm Niemand, kaum dass es im Winkel irgend einer
Zeitschrift überhaupt auf einen Platz rechnen konnte, und so wurde es in der
Geburt erstickt, der bestellte Artikel hingeschrieben ohne Lust und Behagen, und
dann mit einem: »Gott sei Dank, dass ich fertig bin!« die Feder ärgerlich
weggeworfen. Oder wenn er irgend eine Skizze, die ihm just durch den Sinn fuhr,
für die er aber nicht gleich einen Verleger wusste, niederschreiben wollte, so
sandte man ihm Polnische und Englische Blätter, und verhieß für die schnelle
Übersetzung ein gutes Honorar - und er übersetzte - - - dann warf er die Feder
mit Ekel weg, und konnte sich oft lange nicht überwinden, sie wieder anzurühren,
aus Verachtung vor ihr und sich selbst, dass er sie so oft halb gezwungen führen
musste. - Er hatte es seinem Oheim gesagt, dass er allein für sich selbst sorgen
könne, und nur mit Mühe hatte dieser ihn vermogt, wenigstens so lange, als die
Zeit seiner Studien bestimmt sei, für diese das Geld von ihm anzunehmen. Jaromir
hatte jenen edlen Stolz unabhängiger Charaktere, der Nichts gemein hat mit
