 nehmen, was sie uns
nicht geben wollen. Wir haben ja Nichts zu verlieren, wir können schon einmal
Etwas wagen. Ja wir können Alles wagen - es ist unsre Pflicht. Die Reichen mögen
sich in Acht nehmen, wir werden sie aus ihrer behaglichen Ruhe aufschrecken. Wir
haben Nichts mehr zu verlieren, denn wir haben schon Alles verloren durch ihre
Erpressungen, ihre Betrügereien, ihren Privaterwerb, ihr Erbrecht. Sie haben zu
verlieren, was sie uns entzogen - und das müssen sie verlieren. Man will uns
sagen: das Bestehende dürfe nicht umgestürzt werden! - Aber wodurch ist das
Bestehende gut und unverletzlich gemacht? Es ist schlecht, soll man das
Schlechte beibehalten? Aendere hieße die Ordnung stören, sagt man. Aber der
jetzige Zustand ist kein geordneter, er ist eine Unordnung, da dem Einen mehr
Recht gegeben ist, als dem Andern. Wäre es Ordnung, wenn Millionen hungern und
mit der Armut kämpfen, während einige Tausend Reichtümer aufhäufen und mehr
haben als zu einem glücklichen Leben notwendig? - Die Not wird größer und
größer - es handelt sich um Sein und Nichtsein des größten Teils der Menschheit
- wir müssen siegen oder sterben! - Nicht ewig wollen wir die Diener der Reichen
sein, wir haben gerechte Ansprüche an das Leben und das Leben soll uns unsern
Anteil nicht länger verweigern!«
    Wilhelm hatte das laut gelesen und sagte jetzt: »Und bist Du noch nicht
überzeugt? Mein Wahlspruch ist: Wir müssen siegen oder sterben! Aber bisher hat
unsere Loosung wie ein hässlicher Reim darauf gelautet: Wir müssen kriechen und
verderben! Denkst Du noch immer so?«
    »Es sind schlimme Zeiten jetzt und grausame Gesetze herrschen! Ich habe das
offen vor aller Welt gesagt, eh' Ihr Andern noch daran dachtet - aber es werden
einst bessere Zeiten kommen und auch die Armen werden ihre Menschenrechte finden
- aber nicht dadurch, dass sie dieselben verletzen und sich auch noch des letzten
Scheines davon, welchen man ihnen gelassen hat, sich freiwillig entledigen. Ich
weiß, dass meine Bücher allein mit ihren Bitten und ihren Anklagen Nichts ändern
können - aber sie helfen dazu beitragen, dass man unsere Sache prüfen lernt, dass
hochherzigen Menschen, welche bis jetzt mit edler Begeisterung ihre Pflichten ein
Volk zu vertreten, oder für die Freiheit und den Fortschritt in geistreichen
Schriften zu kämpfen - zu genügen glaubten, wenn sie die Sache der Bürger
führten - dass diesen die Augen aufgehen werden, dass es noch unter der Klasse der
Bürger eine noch tiefer gestellte gibt, welche auch einen großen Teil des
Volkes ausmacht, und die sie bisher übersehen konnten, - dann werden sie auch
unsre Sache führen und so wird es auf dem Wege friedlicher Fortentwicklung auch
für uns besser werden.
