 den Teufel aus dem Spiel!« lachte Wilhelm, »mahne mich nicht an die
elenden Märchen! Vor hohlen Schrecknissen zu erzittern habe ich aufgehört - die
armen Leute brauchen wahrhaftig nicht erst an eine Hölle da drüben zu glauben.«
    »Wilhelm, lästere nicht!« mahnte Franz. »Ich hätte nicht geglaubt, dass dies
Schreiben voller Trugschlüsse und Widersprüche Dich so packen, so überwältigen
könnte! Es klingt freilich schön, wenn sie sagen: die Liebe, die allgemeine
Menschenliebe, welche in den Himmel geflohen ist, als die kindische, junge Erde
sie noch nicht zu fassen vermochte, wird ihren Wohnsitz wieder an dem Orte, wo
sie geboren und genährt ward, in der Menschen Brust haben. Wir werden unser
wahres Leben nicht mehr vergebens außer und über uns suchen - wir werden es in
uns tragen, in uns selbst und werden es so wiederfinden in den Andern, in dem
Verbande der ganzen Menschheit! - Ach es klingt wohl sehr schön, wenn man so
Etwas liest - aber es klingt auch nur so - es ist ein tönendes Erz, es sind
Worte ohne Sinn und Verstand. Kannst Du Dir eine menschliche Gesellschaft
denken, in welcher Alle zufrieden, Alle in harmonischer Gleichheit leben? - Du
musst das verneinen, Du kannst Dir nicht einmal eine Vorstellung von einem
solchen Zustand machen und willst doch Schritte tun, ihn heraufführen zu
helfen? Und jetzt willst Du sie tun - und wie? Können ein paar Menschen und
noch dazu arme, ausgestossene, zum Teil verwilderte Menschen das Bestehende
umstürzen, und eine neue Ordnung der Dinge heraufführen? Verändert können,
müssen unsere Zustände werden - aber nicht durch einen Umsturz aller gegebenen
Verhältnisse, sondern durch deren vernünftige Weiterentwicklung und Fortbildung.
Ach Wilhelm, ich hätte Dich für verständiger gehalten, hätte nimmer geglaubt,
dass Du dem Verführer ein so williges Ohr liehest!« -
    »Verführer - nein, Erretter! Das ist nicht die Sprache der Heuchelei, welche
man sonst nur zu hören gewohnt ist - es ist die Stimme der Wahrheit, welche mich
mächtig ergreift. - Gib' ihn her, diesen Brief - ich eile damit in die Schenke,
ich lese ihn vor in unserm Kreis und man wird mir mit Jubelgeschrei zuhören -
komm mit - gib den Brief!«
    »Bist Du rasend?« rief Franz abwehrend. »Nimmermehr! - Komm zu Dir! Bedenke,
welches Unheil Du anrichten würdest, wenn sie den frevelhaften Worten dieses
Briefes Beifall riefen, wenn Dein erhitztes Gemüt sie zu gleicher blinder Hitze
fortrisse, Du setztest Alles auf's Spiel!«
    »Du hast Recht, dass Du zur Vorsicht rätst,« sagte Wilhelm gefasster - »ja,
sie könnten Alles verderben, und meine
