 Augen wie die Ihrigen sähen, Augen, welche, wenn sie gleich
von Kindheit auf an den Glanz des Goldes und die bunten Flitter des Reichtums
gewöhnt, doch nicht davon geblendet sind, wie die jener Tausend, welche dann
das, was außer dem Bereich ihrer eigenen Lebensverhältnisse liegt, nicht bloß
unter lauter falschen Lichtern, grauen Nebeln und düstern Spinnengeweben,
sondern so wie es wirklich ist gewahrten. Wenn Diejenigen, welche zufällig unter
seidenen Bettimmeln geboren wurden, nicht das gleiche Bruderbild verleugnen
wollten, weil es vielleicht auf elendem Stroh zur Welt kam - wenn sie nicht
fortgesetzt die edle Menschengestalt verhöhnen wollten, weil die Lumpen sie nur
schlecht bedecken und die Verwilderung des Elendes sie hässlich macht -
vielleicht würde es anders, vielleicht könnte noch Alles gut werden. Der Arme
verlangt ja so Wenig! Nur einen kurzen heitern Frühling für sein Kind, wo es
nicht zu friern und zu hungern braucht, wo es lernen darf, wie man ein Mensch
wird! Aber hier diese Kinder! Sie werden zu niedrer Tierheit herabgedrückt, und
wie die heilige Wassertaufe den Teufel austreiben soll aus den Kindern - so ist
es hier umgekehrt! Der Engel, der das Kind in's Leben begleitet, wird mit Gewalt
aus der reinen Seele des Kindes gejagt, und in der heißen Hölle, wo die
Dampfmaschinen arbeiten, zu denen man es schickt, da kommen all' die finsteren
Teufel zu ihnen, welche Alle quälen, die zu ewiger Erniedrigung, zu ewiger
Stumpfheit im Leben verdammt sind. - - Und wenn dann diese Kinder, welchen man
kaum ein Wort von Christus gelehrt hat, auf dessen Namen sie doch getauft sind -
wenn sie dann Männer werden - Männer, welche eine gleich abstumpfende Arbeit
verrichten, wenn sie auch mehr Kraft dazu brauchen, als bei der, zu welcher sie
als Kinder gezwungen waren, dann verachtet man sie, weil sie fluchen und trinken
und rohe Worte haben und endlich vielleicht gar einmal auf den Gedanken kommen,
blinde Rache zu üben an ihren Peinigern - was dann? Ich gehöre selbst zu diesem
ausgestossenen Geschlecht, und doch graut mir vor ihm, denn ich kenne es! Ach,
dass es mehr gerechte Menschen gäbe, welche sich des Armen erbarmten! Nicht ihren
Reichtum, nicht ihre Schätze brauchten sie ihm zu geben - aber nur nicht ihn
für immer auch des Reichtums, des innern Lebens zu entblössen, das entehrende
Brandmahl ewiger Unfähigkeit ihm aufzudrücken! Es könnte gut werden, wenn man
die Kinder zu guten Menschen erzöge, statt zu blöden Sklaven - es ist ja der
Vorteil Aller, dass überall gute Pflanzen getrieben und erbaut werden. - Niemand
zieht ein Beet Unkraut in seinem Garten - wenn man nur das bedächte - es würde
Alles gut.«
