 reich, Sibylle,« sagte Otbert, bei ich weiß nicht welcher
Veranlassung.
    »Nicht reich?« wiederholte ich sehr erstaunt.
    »Warum erschreckt Sie das?«
    »Es erschreckt mich gar nicht .... es überrascht mich nur! denn wenn Sie es
nicht sind, wie kommen Sie alsdann zu Ihren Nabobs-Allüren?«
    »Teils durch Gewohnheit keinen Wert auf Reichtum zu legen - was zur Folge
hat dass die Leute mich für einen Millionär halten und mir Geld geben so viel ich
verlange; teils spiele ich zuweilen sehr glücklich.«
    »Ich habe oft gehört dass das Spiel die Menschen arm - nie dass es sie reich
gemacht habe .... außer - Spieler von Profession.«
    »Ich verachte ein wenig jede Sorte von Profession, weil sie den Menschen
kriechend vor seinen Kunden macht. Aber zuweilen, Sibylle, bin ich in high
spirit, glückerwartend, glücksgewiss: dann wag' ich enorm auf einen Satz, und der
gelingt mir alsdann immer. Ich hab' auch mitunter Anwandlungen von Aberglauben,
von Zeichendeuterei. Ich sage mir: Gelingt dir dieser Wurf, so ist das Glück dir
hold und dir werden noch ganz andre Dinge gelingen. In solchen Stimmungen spiel'
ich auch immer glücklich.«
    »Und wenn Sie in low spirit sind - wie dann?«
    »Dann suche ich überhaupt gar nicht zu spielen - wie ich im Allgemeinen zu
nichts Gutem fähig bin, wenn ich mich matt und grundlos herabgestimmt fühle.«
    »Stellen Sie Glück haben und zum Guten aufgelegt sein in eine Linie?« fragte
ich lächelnd.
    »Zuweilen .... warum nicht? Jedem Augenblick gewachsen und für ihn tüchtig
sein ist - gut sein. Spiele ich, so will ich Glück haben, setze ich meinen
Willen durch, so bin ich tüchtig« .... -
    »Ja, sobald Ihre eigne Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer Ihren Willen
unterstützt und geregelt haben!« unterbrach ich ihn.
    »O! rief er, Sie können gar nicht wissen ob nicht der bloße Wille des
Menschen ohne alle jene Stützen und Regeln von einem weit beherrschenderen
Einfluss auf unsre Geschicke ist.«
    »Das meinte ich nicht, Otbert. Ich meinte nur dass wollen und das Gute wollen
zweierlei sei.«
    »Leider ist es im Allgemeinen so; denn der Mensch ist zugleich roh und
beschränkt. Wenn er seinen Willen von seiner individuellen Bedürftigkeit
abklärte und ihn über den Horizont seiner Persönlichkeit hinaus erweiterte -
wenn er sich zugleich feiner und freier aus der Brutalität und aus der Sklaverei
seines Ichs heraus schälte - so würde wollen und das Gute wollen immer
zusammenfallen.«
    Das Gespräch spann sich leicht und angenehm mit Otbert fort, und ich
