 zu einem Monstrum zu machen.«
    »Wär' er es nicht, so würde er vielleicht längst zu Ihren Füßen liegen.«
    »Wie sollt' er das anfangen? ich kenne ihn ja nicht.«
    »Sie kennen ihn nicht, d.h. er ist Ihnen nicht in aller Form mit Namen, Rang
und Würden feierlich vorgestellt worden! .... Ist denn diese ceremoniöse
Etikette sogar Ihnen gegenüber, wenn eine Seele in Flammen lodert, notwendig?
sagen denn auch Sie: Ich bitte um Namen, Stand und Herkunft, mein Herr, bevor
ich mich entschliesse ob ich mich soll von Ihnen lieben lassen oder nicht.«
    »So ist die Welt! entgegnete ich halb lachend und halb missachtend; - und ich
gehöre ihr an.«
    »O Sibylle! rief er, das sollten Sie nicht so kalt eingestehen. Wer der Welt
Aug' in Auge gesehen und sich als ihr Kind erkannt hat, dem müsste es gehen wie
dem Basilisken: ihm graut vor seinem eigenen Bilde, er stirbt an seinem eigenen
Blick. O Sibylle! diese hohlen Existenzen, die nach Regeln der Konvenienz leben,
statt nach Idealen - schmähen die ewige Wahrheit und die heilige Natur! Nicht
dass sie alle und immer selbstbewusst der Lüge und Falschheit anheimfielen; aber
Unnatur ist die Sünde wider den heiligen Geist, die ihren Fluch in sich selber
trägt, denn sie entwurzelt so zu sagen den Menschen, und macht aus ihm, diesem
erhaben-organischen Gebilde - eine Maschine, die ohne Zusammenhang mit der
Natur, und abgelöst von der Gottesidee ist. Das rächt sich durch die sittliche
Verkümmerung des Geschlechts. Das macht ehrlos d.h. bewusstlos über die wahre
Ehre. O Sibylle, stellen Sie sich nicht mit so kalter Entschlossenheit in die
Reihen der Welt.«
    Mit grenzenlosem Staunen hörte ich ihm zu, wenn unsre Gespräche eine solche
Wendung nahmen. Ich konnte seine Ansicht nicht in Einklang bringen mit seinem
Leben, konnte nicht begreifen wie er zu derselben gekommen sein mochte. Er lebte
fleißig und zurückgezogen wie ein Künstler der alten Tage, mäßig wie ein
Brahman, keusch wie ein Anachoret, er hatte seinen eigenen Äußerungen zufolge
nie anders gelebt - woher denn dieser feindliche Kontrast mit der Welt? - -
    »Sie tragen die Farben Ihres Gemäldes zu grell und hart auf, entgegnete ich,
und das rührt daher, weil Sie der Welt wirklich nicht Aug' in Auge - sondern sie
durch irgend einen entstellenden Zerrspiegel gesehen haben. Es sind auch gute
Elemente in ihr, und edle Geister wandeln auf ihr. Ein Mensch wie Sie, Fidelis,
müsste vor allen Andern an das Gute und Wahre im Menschen glauben.«
    »O ich glaube daran! rief
