 des Jahres seiner Anwesenheit treu befolgt, und
da ich Ähnliches, nur nicht so systematisch, schon als Kind getan: so wurde es
mir nicht schwer. Da lernte ich die wirklichen Zustände des Landvolks kennen,
welche zwar beim Tagelöhner bis zur Armseligkeit herabsteigen, aber in Elend nur
in Krankheitsfällen ausarten können. Greift in solchen Momenten der Herr mit
wirksamer Hilfe so zweckmäßige ein, dass der kleine Haushalt fortgehen kann, als
ob des Mannes oder Weibes Krankheit keinen Ausfall im Verdienst zur Folge hätte:
so tritt keine Zerrüttung in den kleinen Verhältnissen ein. Vernachlässigt der
Herr diesen Moment, so ist der Ruin der Familie fast unvermeidlich. Durch diesen
steten Hinblick auf das Geringe mit welchem der Mensch friedlich leben und zu
der Brauchbarkeit tüchtig sein könne, welche sein Platz in der Welt von ihm
begehrt - entwöhnte ich mich von all den entnervenden Bedürftigkeiten, welche
nichts sind als niedliche Missgeburten von dem Unverstand mit der Langeweile
erzeugt. Die kriechende heuchlerische Gesinnung unsrer Tage möchte es verbergen,
dass sie sich vor dem Golde im Staube wälzt; sie nennt das Raffinement eines
hirnlosen Luxus Verfeinerung des Geschmacks, Veredlung des Lebens; sie setzt der
Erfahrung dass dieses marklos, jener blasirt, und Beide durch überreizende
Genüsse verzerrt werden, die Behauptung entgegen: die Zivilisation werde ganz
neue und reichhaltige Elemente entwickeln um dem Dasein frische Nahrung
zuzuführen. Aber bis diese Quellen aufgegangen sind, geraten die Menschen in
die Sklaverei ihrer Bedürfnisse, und das ist die zersetzendste aller
Demoralisationen. Wie der schärfste Frost sogar Steine sprengt, so weicht der
materiellen überhandnehmenden Richtung jedes Bedenken und jede Scheu. Genuss!
wird das Losungswort der Gesellschaft, und damit ist der in ihr gefesselte Tiger
losgelassen.
    Mir tat mein strenges Leben wohl. Ich hatte ein Ziel dem jeder Gedanke und
jede Handlung sich unterordnete und das ich durchaus erreichen wollte: vollenden
was Paul begonnen. Ich erreichte es wirklich. - Aber was nun weiter? - In meiner
ganz praktischen Richtung, immer beschäftigt, umsichtig sorgsam, geregelt
tätig, hatte der Gram nicht in mir aufkommen können. Auf den ersten wilden
Schmerz folgte gelassene Trauer. Die Vergangenheit lag hinter mir wie ein Garten
durch den ich nur selten Musse hatte zu wandeln. In der Gegenwart stand ich wie
auf einem Felde das ich zu bebauen hatte. Aber recht wie der Landmann der mit
seiner Arbeit immer an die Zukunft und die Hoffnung gewiesen ist, so knüpfte sich
auch Alles was ich wollte, tat und trieb an die Zukunft. Anfangs hatte ich nur
die meiner Tochter im Auge; allmälig mischte sich die meinige hinein. Jetzt weiß
ich dass ich sehr gut meinen Geschäften vorstehen und mein Haus führen kann;
sprach ich zu mir selbst; - und mit dieser Erkenntnis wich jeder Reiz aus meinem
