 dies ist ein ganz unnatürlicher Zustand! Sie müssen sich auf einen
Punkt zu concentriren suchen« .... - - -
    »Richtig! unterbrach ich ihn, dieser eine Punkt ist ja eben das unbekannte
Gut.«
    »Suchten Sie es schon? und wo suchten Sie es?«
    »In einer Höhe und in einer Tiefe die mir Beide unzugänglich zu sein
scheinen.«
    »Suchen Sie es doch vor sich!«
    Ich blickte starr gradeaus und sagte: »Da ist es nicht! da gewahre ich immer
das Ende, entweder im Leben oder im Tode.«
    Astrau schüttelte ein wenig meinen Arm.
    »Sibylle wach auf! sprach er; so werde ich ein Gedicht für Sie machen.«
    »Das tun Sie, lieber Graf!«
    »O, Sie sind ein verschrobenes Geschöpf, das mir fast Grauen einflößt, sagte
er unmutig. Sein Sie doch jung, fröhlich, genussbegierig, glücksdurstig. Sie
verlieren ja Ihr Leben und das ist Schade für Sie und für Andere. Nach dreißig
Jahren dürfen Sie denken und träumen; bis dahin müssen Sie leben.«
    »Leben? das heißt das unbekannte Gut finden, den Punkt in welchem sich das
Wesen für die Ewigkeit sammelt und ruht; - denn Leben heißt doch ein ewiges Sein
- nicht wahr?«
    »Wir wollen uns mit dem Leben beschäftigen welches der Endlichkeit angehört,
sagte Otbert und als Paul eintrat rief er ihm zu indem er auf mich deutete:
    »Diese Richtung ist doch allzu transcendental.«
    Paul und ich wir lächelten Beide; aber von dem Augenblick an beschloss Otbert
mich zu gewinnen. Nicht dass ihm eine gemeine Verführung in den Sinn gekommen
wäre! solch leichtes Glück lockte ihn nicht; aber ich sollte ihn lieben. Die
Liebe zu ihm sollte die Morgensonne sein die mich aus dem Schlaf meines Herzens
weckte; - aus ihrer unentwickelten Existenz wollte er meine Seele erlösen und
die grüne Knospe an das Licht bringen damit sie sich in holden Farben entfalte.
Wie jene durch Liebe beseelte Statue an ihrem Bildner hing, so sollte ich an ihm
hängen und durch diese Liebe mich selbst und das Leben und das Glück verstehen
lernen. Er dichtete sich ein Poëm zurecht und beschloss dasselbe zuerst zu leben
und später etwa als Stoff oder Sporn zu Gedichten zu benutzen. Er wurde immer
allmälig wärmer, wenn er sich auf den Wellen der Poesie schaukelte; und so wurde
er denn auch nach und nach so warm in dieser poetischen Phase, dass er sich bis
zur Glut steigerte, gänzlich vergaß dass er sich in dieselbe hineingearbeitet
hatte und von der Aufrichtigkeit seiner Liebe überzeugt war. Er glich jenen
wunderbaren Schauspielern welche auf der Bühne dasjenige wirklich empfinden, was
sie darstellen sollen, so dass ihre
