Ah bah! das ist eine kleine Prahlerei! parodirte ich ihn. Wahrheit ist
Sonnenlicht, und das bedarf der Dichter in seiner Seele .... und zu einer
Glorie! - nicht wahr?«
    »Schwärmerin! sprach er sanft. Wie denken Sie sich denn eigentlich den
Dichter?«
    »Genau so wie Sie nicht sind,« erwiderte ich schnell.
    »Wollen Sie mir absichtlich weh tun, gnädigste Frau?« fragte er mit Kälte.
    »Wie käme ich dazu? sprach ich noch kälter. Äusserlich warm, schlicht und
wahr, innerlich durchflutet vom Strom großer Gedanken und vom Sturm hoher
Leidenschaften - daher unfähig kleinlicher Gedanken und dürftiger Gefühle: so
denke ich mir den Dichter und so sind Sie nicht.«
    »Sagen Sie lieber: so ist er nicht.«
    »Weil Sie nicht so sind? fragte ich spottend. Das hieße doch dem Dichter
Unrecht tun.«
    Astrau sah mich starr an: »Und dies Alles .... weil ich Lady Arabella nicht
liebe?«
    »O Gott! rief ich lachend, wir verstehen uns ja gar nicht, guter Graf! ich
spreche von meinem Dichterideal, und Sie halten mich für einen Advokaten!«
    »Lassen Sie mir die Hoffnung dass wir uns verständigen werden,« sprach Astrau
und Besuche störten dies Gespräch, das erste welches mir eine Erinnerung
zurückließ. Seitdem unterhielten wir uns viel. Ich kann nicht sagen dass Astrau
sich ausschließlich mit mir beschäftigt hätte, allein er war für keine andre
Frau aufmerksamer. In dieser Season spielten die Passionen der Damen für ihn
keine so große Rolle als in der vorigen; das stand ihm besser. Übertriebene
Huldigungen geben dem Gegenstand derselben immer etwas Lächerliches - denn wahre
Liebe, wahre Bewunderung, wahre Ehrfurcht werden nie in kindisch albernen
Fetischdienst ausarten. Ihrer Natur nach sind sie wie alle Innerlichkeit
schweigsam, ernst und gehalten, und nur in gewichtigen Momenten geben sie ihre
Macht und Tiefe kund. Es ist ein großes Unglück wenn talent- und genievolle
Menschen wie Astrau, durch die Gesellschaft zum »lion of the day« gemacht werden
und sich dazu hergeben. Statt ihr Leben zu leben spielen sie nur ihre Rolle.
    Weshalb Graf Astrau anfing sich mit mir zu beschäftigen weiß ich nicht;
glaube aber deshalb: weil ich so ungewöhnlich gleichgültig für ihn und überhaupt
für Alles war. Das Leben trug nicht die Glorie von Glanz, Glut, Majestät und
Wonne, nicht den Purpurmantel, nicht die Rosenkrone, nicht den Sternenschleier
womit ich dessen heilige Gestalt in meinen Kinderträumen auf den grünen Hügeln
von Engelau ausgeschmückt hatte. Es kam mir Alles so mittelmäßig vor! ich kannte
manche gute Menschen - doch sie hatten große Fehler! manche kluge - doch sie
hatten große
