 nur jene allerliebste leichte Ware, welche die französische
Sprache so außerordentlich bezeichnend »Chiffons« nennt. Was die Kostbarkeit
dieser Sächelchen erhöhte war, dass ich sie nun gar aus Paris kommen ließ, weil
mir der englische Geschmack in dieser Richtung nicht zusagte.
    Ich war schön, elegant, fand mich mit großer Leichtigkeit in den englischen
Manieren zurecht, sprach geläufig englisch; meine große Jugend interessierte
einige ältere Frauen der ersten Gesellschaft für mich, welche mich protegirten
und hoben bis ich auf eigenen Füßen stehen konnte, was - Dank jenen
Eigenschaften! - - sehr bald geschah. Als diese gleichsam materiellen
Erfodernisse nach allen Seiten hin überwunden waren - sah ich mich um: Was nun?
- - Ich hatte gar keinen genügenden Wirkungskreis; meine selbstgewählten
Beschäftigungen waren keinesweges aus innerer Notwendigkeit hervorgegangen;
Lektüre und Harfenspiel füllen müßige Stunden, aber kein leeres Leben, Besuche,
Spazierritte, Soireen sind mehr Zeiteinteilungen als Ausfüllung der Zeit. Ich
wünschte glühend für Paul etwas tun, ihm nützlich sein zu können. Ich war ihm
behilflich die Zeitungen zu lesen und aus diesen englischen, französischen,
deutschen Papiermassen die Notizen auszuziehen, die irgend ein Interesse boten.
Hätte mein Verstand eine positivere Richtung gehabt, so würde er sich
unzweifelhaft bei meinem Heisshunger nach Beschäftigung auf die Politik geworfen
und in deren Kombinationen ein Feld für die geistige Regsamkeit gefunden haben.
Aber für mich waren Whigs und Tories nichts Anderes als die weißen und die
schwarzen Figuren welche sich auf dem Schachbrett Treffen liefern, die von List,
Feinheit, Intrigue, Benutzung fremder Schwäche dirigirt werden. Meinem armen
Kopf fehlte die Kapacität um Staatsfragen verfolgen zu können. Doch habe ich,
vielleicht veranlasst durch Pauls Vorliebe oder auch durch den ersten Eindruck
den in dieser Beziehung meine Unerfahrenheit hier empfing - eine große Achtung,
einen fast unwillkürlichen Respekt vor den englischen Staatsformen bekommen und
bewahrt. Dadurch dass die englische Adels-Aristokratie nie ihre Reihen schließt,
und Männer von wahrem und ernsten Verdienst, gleichviel von welcher Herkunft,
bereitwillig zwischen sich aufnimmt, ist sie eine durchaus organische
Institution, die im Schoss des Volkes, im Grund und Boden des Landes Wurzel
geschlagen und dessen edelste Kräfte in würdiger Weise sich einverleibt hat. Sie
ist nicht zu einer Kaste mumificirt, sondern frische Säfte und junges Blut
strömen unablässig ihr zu, und weil sie so kräftig ist, darum ist sie auch
populär, denn sie flösst Vertrauen ein. Rastloses Streben liegt in der Natur des
Menschen; aufwärts streben veredelt sie; diesen Spielraum nach oben hat die
englische Aristokratie den übrigen Klassen der Gesellschaft gelassen, und daraus
entspringt für diese der Sporn des Ehrgeizes. In Deutschland hat der Adel nicht
verstanden diese edle und weise Stellung einzunehmen und ist durch Käuflichkeit
der Adelsbriefe völlig erniedrigt. Das macht ihn
