
Gott, den Lenker des Weltalls, den Vergelter des Guten und Bösen, den Vater der
Barmherzigkeit, ohne dessen Willen mir kein Haar gekrümmt werden kann! Gott -
wie der Mensch ihn braucht, zu welchem ich schreien kann in meinen Schmerzen,
jauchzen in meinen Freuden, und zu dem ich den Glauben habe, dass er mich hört
und erhört zu seiner Zeit! Gott - zu dem das Herz und der Blick emporfliegt bei
großen Geschicken, weil es einen Dank und eine Klage gibt, die man nur vor ihm
aussprechen kann und weil diese Geschicke, so reich oder so schwer sie sein
mögen, immer eine Stelle unbesetzt lassen in unsrer Seele, welche nur durch ihn
auszufüllen ist. Glaubt die Christenwelt in dieser Weise ihrer Väter noch an
Gott?«
    »O Kind! rief ich gerührt, was kümmern Sie sich um den Unglauben der Welt,
wenn in Ihrer Seele die ewige Ampel des Glaubens brennt? - Was wollen Sie mehr?«
    »Ich will die Gewissheit nicht in Traum oder Irrtum dahin zu taumeln! Und
der Zweifel der mich umringt macht mich irre an mir selbst.«
    »Der Zweifel ist so alt als der Glaube! Petrus glaubte und Thomas zweifelte,
und dennoch hat neben diesem Zweifler der Glaube des Petrus eine Kirche
gestiftet von der geschrieben steht »dass die Pforten der Hölle sie nicht
überwinden werden.««
    »Nur ein Zweifler zwischen zwölf Aposteln! In unsrer Zeit ist's anders! da
wohnen Schwankung, Unsicherheit und Zweifel wenigstens in elf Köpfen unter
zwölf.«
    »Das beweist weiter nichts als dass jene Eilf eben nicht zu Aposteln bestimmt
sind, obzwar sie sich wohl dazu berufen finden mögen und sich ja auch Apostel der
Wahrheit, der Freiheit, des Fortschritts und des Lichts nennen - wie sich das
für die Aufgeblasenheit geziemt. Glaubt doch unser Nachbar im Waadtland, der
Schneider Weitling, eine sociale Weltreform predigen und einleiten zu müssen -
warum sollen sich da nicht Andere an die religiöse machen?«
    »Was haben Sie gegen den Schneider, da Hans Sachs und Jacob Böhme Schuster
waren?«
    »O gar nichts! ich meine nur - da alle hundert Jahr einmal das Mirakel eines
Lichtes aus der Werkstatt hervorgegangen ist: so könnte ja auch wohl einmal ein
Irrlicht draus hervor gehen. Übrigens hab' ich nichts weder gegen Reformen noch
gegen Schneider. Im Gegenteil! da Staat, Kirche und Gesellschaft mir wenigstens
in Deutschland vorkommen wie Adam nach dem Sündenfall, der seine Blöße kennt,
sich schämt oder fürchtet, und nach einem Feigenblatt greift; so wäre wohl sehr
ein Mann zu ersehnen, der ein grossartiges Gewand, einen neuen Purpur und
Königsmantel ihnen umhinge.«
    »Das ist es ja ebenfalls was mich so sehr
