 ich
stolz, denn so aufgefasst und so ausgedrückt ist nie der Geist des deutschen
Volks als von ihm! Er hat ihn wiedergegeben den Tiefsinn in der Verklärung.
Sonst aber erinnere ich mich keiner Veranlassung.«
    »Und das sagen Sie so gelassen! ich würde darüber verzweifeln.«
    »O all diese schlaffen Verzweiflungen muss man sich abgewöhnen! Man muss die
Welt nehmen wie sie ist; und warum soll man nicht eben so stolz sein auf einen
Genius der Symphonien componirt als der über Staatsökonomie schreibt?«
    »Wenn man sich in der Welt wie sie ist zurechtfinden muss, warum denn,
gnädige Gräfin, sind Sie in diese Einsamkeit geflüchtet, wo Sie durch nichts an
dieselbe erinnert werden?«
    »Weil ich mein Leben bereits verbraucht habe und zu nichts Tüchtigem mehr
brauchbar bin - - als höchstens .... um die gute Frau von Grindelwald zu sein.«
    »Kann man mehr sein als gut?«
    »O ja! man kanns auf dem rechten Fleck, zu rechter Zeit und Stunde, am
rechten Ort sein. Die gute Herrin von Engelau, die gute Gattin, die gute Mutter
zu sein: das wär' ein Lob. Jenes ist keins. Ich bin gut - was man hier gut
nennt, nämlich woltätig - weil ich es angenehmer für mich als das Gegenteil
finde.«
    »Ich verstehe Sie zuweilen gar nicht! entgegnete Wilderich. In Ihren
Handlungen sind Sie ein hohes und edles Herz, in Ihren Worten - welche man
schwer von Ihrer Gesinnung trennen kann, da Sie nicht lügen - haben Sie gar kein
Herz.«
    »Daraus sehen Sie dass ich die Kraft zum tun .... nicht die zum sein habe.
Ich habe vielleicht weniger Unrecht getan als Tausende meines Gleichen und
dennoch weniger Befriedigung als eben sie.«
    »Das ist unnatürlich!« rief er.
    »Davon bin ich vollkommen überzeugt! entgegnete ich gelassen. Mein Dasein
ist wie eine Tropfsteinhöhle: darin stehen allerlei schöne Sachen, Altäre,
Kapellen, Heiligenbilder .... aber versteinert und in Finsternis; und das sollte
nicht sein.«
    »Und warum ist es so?«
    »Weil der Geist der Liebe fehlt.«
    »Das ist ja aber eine fürchterliche Gleichgültigkeit!« sagte er fast mit
Entsetzen. Und wie kann man sie mit Ihrer Barmherzigkeit, mit Ihrem Mitleid in
Einklang bringen?«
    »Barmherzigkeit auf und über der Welt - von Ewigkeit zu Ewigkeit gehend -
ist das Eine woran ich glaube.«
    »Weil Sie sie üben!«
    »Nein! .... weil ich ihrer bedarf.«
    Ich sprach zwar immer wenn unsre Unterhaltung eine Wendung auf mich nahm in
einem möglichst kalten Ton von mir selbst,
