 eingerichtet, nämlich so dass man durch ringen, stoßen,
drängen, ja einiges boxen vorwärts kommt - und das verstehen die Männer, das
können sie aushalten, das bekommt ihnen sehr gut. Eine Frau kann daran zu Grunde
gehen und wird immer fürchterlich leiden. Darauf muss eine Mutter für ihre
Tochter vorbereitet sein! die Chancen des Glücks sind unendlich viel seltener für
sie.«
    »Sie haben kein Herz für die Söhne weil Sie nur eine Tochter haben, gnädige
Gräfin, sagte Wilderich. Ich denke mir dass das Kind der Mutter Sorge macht, und
ein Sohn ist auch ein Kind.«
    »So wird's wohl am richtigsten sein, mein armer Wilderich! und eben deshalb
sagte ich, Sie sollten sich nicht zu sehr um die Sorgen Ihrer Mutter quälen;
denn die sind nun einmal dem mütterlichen Herzen eingeboren.«
    »Mein Vater ist seit zehn Jahren tot, ich bin der Aelteste von acht
Kindern, und meine Mutter muss uns mit einem sehr geringen Vermögen erziehen: das
ist eine unsäglich sorgenschwere Aufgabe.«
    »Ach! rief ich, ohne die Verwöhnungen des Reichtums erzogen zu sein ist ein
außerordentlicher Vorteil! darin liegt der Sporn zur Entwickelung des
Mittelstandes. Wenn unsre Zeit höhere Interessen als die des Materialismus, des
Genusses in höchster Potenz, hätte: so könnte dieser Sporn der Unverwöhnteit zu
etwas Tüchtigem und Großen treiben. Aber die Idee, welche der Mittelstand von
den Bedürfnissen des Jahrhunderts, der Zeit und der Völker hat, ist folgende:
Jetzt sollen mir die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, welche bisjezt dem
einen bevorzugten Stande zugeflogen sind! - An diese fixe Idee von den gebratnen
Tauben und wie ihnen beizukommen sei, vergeudet er seine Kräfte, denn all seine
liberalen Machinationen und seine schwindelnden Speculationen sind ja weiter
nichts als Bestrebungen um den Traum von den gebratnen Tauben zu realisiren.
Lassen Sie ihn fahren, Wilderich! er macht den Menschen nicht gut und nicht
glücklich, sondern das, was er am meisten fürchten und fliehen sollte - gemein.«
    »Sie sprechen wie eine reiche Frau, die Sie auch sind, gnädige Gräfin« ....
- - -
    »Lebe ich wie eine reiche Frau? unterbrach ich ihn. Wo sind Pferde und
Wagen, Livreebediente, Sofas von Sammt, Vorhänge von Seide, goldene Spiegel?
.... was Alles die erste beste Doctorsfrau in unsrer Heimat hat.«
    »Sie leben dennoch wie eine reiche Frau: nämlich - unabhängig! und das ist
der größte Vorzug des Reichtums.«
    »Lieber Wilderich! der Reichtum knechtet die Seele und macht sie in
zehntausend Fällen höchstens Einmal unabhängig.«
    »Ach, gnädige Gräfin, Sie würden anders sprechen wenn Sie nicht reich,
