 sind Könige in der Einsamkeit, denn sie ist ihr ihnen
angebornes Reich: sie sind immer einsam. Aber die Masse der Menschen zählt nur
als Gattung etwas, weil ihre Individuen der intensiven Kraft entbehren, welche
ein eigentümliches Leben erzeugt. Sie müssen in Schaaren leben; für sie ist die
Einsamkeit ein Kerker oder ein Grab.
    Ich fiel sehr bald in derselben der schwärzesten Melancholie anheim. Dies
ungestörte Leben in der Natur, ohne ein beseelendes Gefühl, ohne eine
beherrschende Idee, ohne jene glückliche physische Organisation die von ihren
Elementen mit Wonne zehrt - überwältigte mich mit namenloser Traurigkeit; denn
ich fühlte mich außer Zusammenhang mit ihr: sie brauchte mich nicht - wie konnte
ich mich an sie schmiegen? Kein einziges der Bande womit sie den Menschen
umschlingt und ihn heimisch und nützlich macht auf der Erde und ihm in diesem
Bewusstsein süßen Genuss gewährt - kein einziges hielt mir Farbe! Nicht von den
Toten zu reden, deren Erinnerung mir längst wie Schatten in der grauen
Dämmerung entschwebt war; - nur von den Lebenden: von dem Gatten, von der
Tochter, von dem Freund - was war ich ihnen und was waren sie mir? Mit keinem
Einzigen von ihnen hatte ich verstanden mich in das rechte Gleichgewicht zu
setzen. Dem Einen war ich nur gleichgültig, dem Andern nur schmerzlich, und
meinem Kinde entbehrlich. Sie hatten Alle sich von mir trennen können, und wir
Alle lebten fort - in Freuden die Einen, in Qualen die Andern; aber wir lebten.
Auch wir Gequälten lebten äußerlich ruhig genug! Wir standen alle Morgen auf,
versäumten am Tage nie für unseren Lebensunterhalt zu sorgen, und gingen jeden
Abend schlafen. Mit der Pünktlichkeit einer Uhr rollte sich die animalische
Existenz mit ihren Functionen ab: sie allein hatte Bestand. Aber die Liebe, die
Kraft, die Andacht, die Treue, der Glaube - diese Genien welche dem Menschen die
Lehmhütte seines materiellen Daseins zu einem Tempel ausschmücken und lichten,
in welchem er sich selbst geadelt und einer höheren Bestimmung würdig erscheint:
sie hatten sich in mein Leben nicht wie ewige Gestirne, sondern wie zerplatzende
Seifenblasen herabgelassen, und ich fühlte mich in das Nichts zerfließen, weil
sie ins Nichts zerflattert waren. Ich verging an der allgemeinen
Vergänglichkeit.
    Und das Ende von dem Allen - war der Tod! und er konnte kommen heut, morgen
- und ich musste fort, und hatte nicht gelebt! fort mit meiner weiten leeren
Seele, die sich in dieser Welt des Unbestandes von nichts hatte fesseln lassen,
und die nun vielleicht durch Aeonen ihren unerquicklichen Lauf fortsetzen musste
um das zu finden was sie ersehnte. Aber ist denn überhaupt für eine leere Seele,
ohne Glaube und ohne Liebe, die Unsterblichkeit bestimmt? hat sie sich durch
