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dass es wohl noch sich nach Liebe sehnen, aber nicht mehr sie empfinden, ja nicht
einmal die seine begreifen könne. Ich hielt in diesen wenigen Sekunden Gericht
über mich - aber in dem Augenblick wo ich den Stab hätte brechen sollen warf ich
mich in Todesangst in die aufschwellende Flut des Gefühls und dachte: Vielleicht
trägt sie mich dennoch an ein lieblicheres Gestade! leiden ist nichts; - lieben
ist Alles! -
    »Nun weiter, Fidelis!« sprach ich sanft und nahm seine Hand.
    »Es gibt nichts weiter, entgegnete er. Jetzt wäre nur noch von den
Resultaten meiner jugendlichen Entschlüsse und Bestrebungen zu reden, und die
sind dürftig genug. Ich bin allerdings ein ziemlich tüchtiger Musiker, aber sehr
fern von der früher geträumten Größe. Und was die Freiheit betrifft von der ich
mein höchstes Heil erwartete: so habe ich erkannt, dass ich derselben nicht fähig
war. Eine Liebe - die unsinnigste und zugleich die göttlichste, hat mich unfrei
gemacht! Sie war verboten .... aber zugleich durch eine solche Kluft von
Unmöglichkeiten von mir getrennt, dass diese mich sicher machten. Wie auf den
schwindelnden Brückenstegen des Hochgebirges fühlte ich mich: Hält dich der
wankende Steg über dem Abgrund - wolan! so zeugt das von Mut, Macht und Glück;
trägt er dich nicht, so geht deine Schuld vielleicht in dem Sturz unter! - Aber
weil ich mich von dieser Liebe umstrickt fühlte, so hatte ich keine feste
Zuversicht zu mir selbst. Ich misstraute mir und meinen Leistungen. Ich glaubte
in ihnen allen die Fessel wahrzunehmen, die mich zu Zeiten dermaßen band, dass
Kunst und Genie mir Puppenspiel und Fratze schienen, und ein Wort, ein Blick der
Liebe - Wahrheit und Heil! Ich glaubte sie trügen den eisernen Reif, der sich zu
Zeiten um meine Stirn und Brust schmiedete und sie unzugänglich für den labenden
Anhauch aus einer höheren Welt, unempfindlich für die frischen Lüfte aus
geistigen Regionen machte. Die stolze Jugendfreude an mir selbst, an der Welt
und dem Leben ging mir unter, und ohne diese Freudigkeit - welche den tiefen
Melancholien jeder schöpferischen Richtung die Waage halten muss - ist es schwer,
wohl gar unmöglich Ausgezeichnetes zu leisten. Meine Liebe machte mich
schüchtern, und der Genius will auf einem sichern Boden die Grundlage seines
Tempels gründen. In ein Meer von Verworrenheit und Wirrsal, von Anziehungs- und
Abstossungskraft, von Selbstbeherrschung und Erschlaffung, von Feigheit und
Tollkühnheit bin ich durch sie geraten, und tausendmal hab' ich gedacht: Wer
doch den Rat seiner Mutter befolgt und sich aus diesem Wellenstrudel zu dem
Kruzifix auf der Felsenklippe gerettet hätte! - Aber nichts da! Unüberwindlich
lockte mich die Lorelei .... nur sie! Dieselbe
