 gleich groß, gleich gewaltig. Wie jene
Halb-Verdammten des Dante befinde ich mich in einem beständigen Wirbelwind. Das
Unbekannte lockt mich mit den süßesten Verheißungen, die in dem Bekannten ebenso
sicher untergehen, wie eine gewisse flammende Morgenröte einen Tag voll Regen
bringt. Zwischen jenen Chimären und dieser Nichtigkeit stehe ich auf einem so
ungewissen Punkt wie der Krater eines Vulkanes ist! ich habe ihn nicht gewählt,
nicht gesucht! ich bin durch meine angeborene Richtung zu ihm hingeführt worden
.... und Sie machen mir Vorwürfe! ist das gerecht?«
    »Ja, ich mache Ihnen Vorwürfe, Sibylle! Wer klar genug über sich selbst ist
um die Richtung zu erkennen in welche seine Natur ihn drängt - wer dieselbe
unablässig verfolgt: dem ziemt keine Klage wenn deren letzte Konsequenzen ihm
begegnen - denn er sollte auch über sie allmälig klar werden und sie als
Bedingungen der Existenz annehmen. Ein Ringen aus der Unvollkommenheit zur
Vollkommenheit - das ist das Leben; das ist das Ziel des Menschen; dahin muss er
streben durch Licht und Schatten, in Sieg und Niederlage, durch handeln und
denken, mit Kreuz und Schwert; darin muss er seine Seligkeit suchen - denn seine
Bestimmung ist Seligkeit. Nur muss zuvor mancher herbe Kelch geleert werden, der
auf ewig geheiligt ist weil ihn der Allerheiligste nicht verschmäht hat. Aber
Sie .... lassen ihn fallen! Aber Sie .... mögten in der Vollkommenheit geboren
sein und bequem die Seligkeit als Hausmannskost genießen in Ihrer olympischen
Trägheit!«
    »Ja! denn ich bin mir bewusst sie nimmermehr verdienen zu können!«
    »Verdienen? Wer spricht von verdienen .... ich gewiss nicht, Sibylle! die
Seligkeit kann nicht verdient - sie muss errungen werden. Sie verdienen wollen
wäre Knechtes- und Mietlingswerk, von denen geschrieben steht: »sie haben ihren
Lohn dahin.« Der Freie ringt. Das braucht kein sichtbarer Kampf zu sein voll
Getümmel und Geschrei; - er kann ebensowol in tiefer Stille entschieden werden
und der erbleichenden Lippe nicht eine Klage entlocken. Der Eine ringt .... und
die Erde bebt, die Völker zittern, die Welt droht aus ihren Angeln zu gehen; -
der Andre ringt .... und die Träne eines Dankbaren fällt auf seine Pfade, und
der Segen eines Geretteten folgt ihm nach. Dieser ringt um sich zu verstehen -
Jener um sich zu beherrschen - Der, um sich zu entwickeln - und Der nach
Weisheit! und Der nach Brot! und Der nach Ruhm! Alle .... auf ihre Weise, nach
ihren Einsichten, mit ihren Kräften, welche so verschieden sind wie die
Individuen selbst. Aber sie ringen, das heißt sie sammeln ihr
