 sich über den Staub hinaufschwingen kann, und die
ist ihr eben eingeboren, ohne Unterschied der intellectuellen Gaben - Allen! sie
heißt: Glaube und Liebe! - der Glaube einer ewigen Einheit anzugehören, die
ihrer Essenz nach nichts Andres als eine Vollkommenheit sein kann: das ist der
Schöpfer! .... die Liebe, welche uns die Vielheit, das Geschöpf, als unsers
Gleichen, als Gefäß seines unerforschten Willens, als Symbol seiner Idee zeigt.«
    »Das ist genug für erhabene Menschen, entgegnete ich traurig; - nicht für
mich. Diese gleichsam unpersönliche Gemeinschaft möchte ich die der Heiligen
nennen .... und die Heiligen, Fidelis, über welche Dornen und Kohlen sind sie
gewandelt ehe sie dahin gelangten. Lesen Sie doch die Bekenntnisse des heiligen
Augustin, der heiligen Teresia! ist nicht jede Zeile, jedes Wort in ihre
Tränen getaucht, von ihrem Herzblut überrieselt? wie sich eine wunde Brust aus
unsrer harten nordischen Luft in eine südlichere flüchtet: so haben sie ihre
Herzen einer Region zugewendet, deren Äther feiner als unser derber irdischer
ist, den die kaum vernarbten Wunden nicht ertragen würden. Sie tragen eine
Glorie, ja! aber deren Stralen sind verwandelte Dornen.«
    »War Christus nicht von seinem Herzblut überrieselt auf dem Weg zu Golgata?
- Sie fürchten das Leid zu sehr, Sibylle!«
    »Ich fürchte es nicht! ich weiß nur aus unseliger Erfahrung, dass es uns
nicht fördert und nicht hilft - und darum meid' ich es« .... - -
    »Das heißt Sie lassen es fallen anstatt es reifen zu lassen.«
    »Das Leid pflegen .... ist Missverstand.«
    »Es reifen lassen .... grenzt an Weisheit! sprach er lächelnd. Es lebt sich
dann durch alle Phasen durch und aus; es gestaltet sich zuweilen zu einer
köstlichen Essenz - wie starker Wein, das Leben kräftigend, wie Rosenöl, es mit
Balsamduft durchhauchend. Zuweilen wird es freilich auch zu einer sehr, sehr
bitteren Frucht, durch die man nichts gewinnt als - eine schmerzliche Warnung
oder Erfahrung. Doch gleichviel! bei dieser inneren Arbeit ist der Boden so
zergraben und gelockert, dass er fähig ist ein neues Samenkorn zu empfangen. Wird
aber die Frucht hastig und unreif abgerissen - wie Sie es tun - so ist die
ganze Entwickelung gewaltsam unterbrochen, und ringende Kräfte reagiren
schädlich .... ja feindlich, weil sie nicht ihren natürlichen Gang gehen
durften. Sie stocken, und es wird daraus das Allertraurigste was den Menschen
befallen kann und was ich versetztes Leid nenne: Bitterkeit. Hüten Sie sich
davor, teure Sibylle.«
    »O Meister! rief ich bewegt und mit feuchten Augen, wie
