 konnten nicht ein gelassenes Wolwollen
einflößen. Sie sind unendlich geliebt und unendlich gehasst. Denke doch nur welch
einen Eindruck das machen muss, wenn die Welt der Liliputaner so einen Titanen
über sich dahin schreiten sieht und von ihm nur als Gattung, nicht als so und so
viel wichtige Individuen betrachtet wird! - und an die Schläfrigen, die Trägen,
die Engherzigen denke, welche sein dröhnender Schritt aus ihrem bequemen
Halbschlummer weckt und aus den Träumen welche auf schmackhafte Kost und leckere
Genüsse folgen - wie die ihm zürnen werden! - und an die Zaghaften, die
Schüchternen denke, welche sich in ihrem Kämmerlein, in ihrem Hüttchen
verschanzt haben gegen Eindringlinge und denen plötzlich etwas wie Fanfaren zu
Kämpfen, Schlachten und Triumphen ins Ohr klingt - wie die erschrecken müssen,
als ob ein Feind nahe! - und an die Wolgesinnten denke, denen es so herrlich auf
der Welt geht, dass sie meinen diese wundervolle Welt müsse in Ewigkeit in ihrer
gegenwärtigen Gestaltung fortbestehen - wie die ihn verachten werden, den rohen
uncivilisirten Titanen, der gelassen sagt: sie tauge so gar viel nicht! - Das
bedenke, und dann sage mir: glaubst Du dass aus diesen Jammerseelen die
Opferflamme und der Weihrauchduft der Begeisterung und Liebe aufschlagen könne?
Nimmermehr, mein armer Otbert! nimmermehr! was die bewundern, was die mit ihrem
Wolwollen beehren - das muss ihres Gleichen sein und mit ihnen Schritt halten,
das muss ihren Schwächen schmeicheln und ihre Niedrigkeit - Hoheit nennen. Ich
zweifle nicht dass in diesem Sinn sehr viele Verse gemacht sein mögen; ich sage
nur - dass kein Dichter sie je gemacht hat.«
    Wenn ich in dieser lebhaften Weise sprach, gefiel ich ihm außerordentlich.
    »Meine Muse! rief er, Königin meiner Seele! führe mich zu irgend einem Stern
empor, wo ich an Deiner Seite das Reich des Genius gründen könnte. Die Aera
Deiner Ideen ist nicht unser Jahrhundert! Was Du begehrst vom Menschen, vom
Dichter - hat Keiner geleistet und wird kein Sohn des Staubes je leisten. Er ist
nicht so unantastbar und unwandelbar wie Du ihn träumst, denn ewig wandelt er
unter nicht über dem Geschick. Haben ihm die Götter einen Silberpanzer an den
Sonnenstralen geschmiedet, der ihn schützt gegen Pfeile von Menschenhand: so
glaube Du jetzt mir: unter dem Panzer, im eignen Busen hegt er den Geier der ihm
das Herz abfrisst und ihn in namenloser unruhvoller Qual umhertreibt - grade wie
Dante, grade wie Byron! O Sibylle! zu jenem alten gemarterten Titanen
Prometeus, der ein Dichter der Menschheit im größten Styl war, kamen die
Oceaniden um mit ihm zu klagen, denn menschliche Klage reichte für dieses Leid
nicht aus. O wünsche mir nicht die einsame Felsenklippe auf dem Kaucasus! gönne
