 einem
solchen Künstler und der bewundernden, hingerissenen, atemlosen Menge.
Sedlaczech würde in der tiefsten Einsamkeit die mächtigsten Inspirationen gehabt
und sich durch sie beseligt gefühlt haben, wenn auch deren Blüten, seine
Schöpfungen, nie für ein menschliches Ohr erklungen wären. Jener lechzte nach
Lob und Schmeichelwort; dieser wehrte kühl auch den geringsten Ausdruck des
Beifalls ab. Astrau wollte die volle Huldigung der Zeitgenossen, Sedlaczech
schmachtete nach dem Ruhm der Nachwelt. Jener sagte:
    »Wer die Gegenwart beherrscht indem er ihrer Gesinnung den entsprechenden
Ausdruck leiht, und die in ihr gährenden Elemente in eine klare feste Form
gießt, welche sich jedem Auge als das tausendmal geträumte Bild befreundet
entgegenstellt: der ist der König seiner Zeit, und es ist gleichviel ob eine
spätere ihn dafür anerkennt .... da ohnehin die frühere es nicht kann. Für eine
Epoche ist der Mensch geboren, drum soll er sie füllen wenn er es vermag. Das
ist sein echter lebendiger Ruhm. Der tote Nachruhm ferner Jahrhunderte beweist
sehr häufig dass der Berühmte seine Zeit und seine Mission nicht verstanden hat.«
    Sedlaczech sagte gelassen als ob es sich um die einfachste Sache der Welt
handle: »Ich bin nur durstig nach Unsterblichkeit und nach dem Bewusstsein dass
ich gestrebt habe als ob ich sie verdiente.«
    »O! rief ich dazwischen, wie seid Ihr glücklich, Ihr Beide, dass Ihr eine
Idee habt, welche Euch in jedem Moment beseelt - welche Ihr mit jedem Atemzug
verfolgt - woran Ihr Eure Seele unabtrennbar vor Anker gelegt habt, so dass Ihr
nie in der Irre auf diesem ungeheuren Ozean umhertaumelt den man Leben nennt!
.... Ihr wisst was Gott mit Euch will! Ihr lebt seine Idee in Euch aus! sei das
nun groß oder klein, viel oder wenig, hoch oder niedrig in den Resultaten -
einerlei! Ihr verfolgt Euer Ziel. Astrau will den Genuss, Sedlaczech will das
Streben .... o Ihr Beneidenswerten! - Was will denn ich? Was will denn Gott mit
mir? .... Nichts, nichts und abermals nichts. Und so verfalle ich denn auch dem
Nichts.«
    »Und Sie wähnen zu lieben, Sibylle! rief Otbert heftig bewegt. Ein Weib das
liebt hat nie gefragt was Gott sonst noch mit ihm wolle.«
    »Auch ich werd' es lernen ohne zu fragen, Otbert! sagte ich herzlich und gab
ihm die Hand. Es ist nur so schwer sich von alten Gewohnheiten loszumachen.«
    Als Otbert mir aber in Folge dieses Gesprächs vorwarf ich hätte mehr
Teilnahme für Sedlaczechs Lebensanschauung als für die seine an den Tag gelegt,
so beschloss ich diesen Quälereien ein Ende zu machen und Letzterem offenherzig
zu sagen um was es sich handle
