 in denen der Geist der heiligen
Kirche lebendig, und die durch tiefe Gelehrteit das Licht des allein selig
machenden Glaubens nur heller leuchten machten in dieser Finsternis. Denn dieses
Licht sei vor allem nötig, und der Geist, der durch die umnachtete Wildnis
allein seinen Weg sich suche, verirre und gerate auf gefährliche Abwege. So
hätten es auch die Väter der Väter erkannt, die alten Regenten, unter denen
Milch und Honig in der Mark geflossen und die Rebe geblüht und Früchte getragen.
Er wies hin auf die hohen Türme und ehrwürdigen Kirchenbogen, die für die
Ewigkeit in den lockeren Fußboden gesetzt, auf die stolzen Klöster von Chorin
und Lehnin, auf die Münster und Dome von Brandenburg, Angermünde, in Prenzlow,
Havelberg, Tangermünde und die Andern. Gedächtnisssäulen wären sie der
gottergebenen Kunst, der frommen Wissenschaft, die noch den späten Enkel in
Erstaunen setzen würden; diese Kunst und Wissenschaft sei erloschen seit zwei
Jahrhunderten. Nun sei es die Aufgabe derer, die leben, mit dem zurückgekehrten
Frieden seine Künste zu pflegen, das Verfallene wieder aufzurichten und Neues zu
bauen, damit auch sie der Nachwelt Zeugnisse und Documente ihres edlen und
gottgefälligen Daseins hinterliessen.
    »Denn eine Zeit, die nichts an Werken hinterlässt zur Erbauung und Stärkung
und Nacheiferung denen, die nach ihr leben, ist wie ein todtes Glied an einem
gesunden Körper, es wäre besser, wenn es ausgeschnitten würde. Wer nur Gott lebt
und seinem Erlöser in der Stille hin, den darf ich nicht tadeln, denn er lebt
für das Himmelreich; aber wen Gott niedersetzte auf dieser Erde und gab ihm
Stärke und Ansehen und Mittel, der soll es nicht verprassen und vergeuden,
sondern schaffen für sein Reich auf dieser Erde, und seine Stunden, seine Worte,
seine Gedanken und seine Handlungen sind gezählt, wie die Haare auf seinem
Haupte.«
    Wie suchten da umher des Fürsten Blicke! Einige schlugen die Augen nieder,
Andere sahen ihn groß an; sie verstanden nicht, was er meinte.
    Er sprach weiter. Loben konnte er seine getreuen Märker nicht, aber schelten
mochte er sie auch nicht, dass sie nicht eifriger ihn unterstützt. Etwas Bitteres
kam über seine Lippen aber er verschluckte es wieder. Denn wozu Bitterkeiten;
sie sind Gift, das nicht heilt, das die Wunde nur schlimmer macht und ein eigenes
feines Gift, das meist dem mehr schadet, der es ausstreut, als dem, welchem es
zugedacht ist.
    Er sprach auch von dem neuen hohen Gericht, das er mit des Kaisers Willen in
seinen Erblanden stiften werde, allwo in der Kammer alle Streitigkeiten, die
früher an Kaiser und Reich gingen, sollten geschlichtet werden, die Schöffen,
die er setzen werde, halb aus Gelehrten, halb aus
