 unerlaubten Selbsthilfe. Er
wird die Sache drehen und wenden, die Juristen des Altertums citiren, uns
deutlich machen, was davon auf ein christlich Reich passt und was nicht, und wenn
er sich gesonnt hat in unserer Verwunderung über seine Gelehrsamkeit, übergibt
er die Sache dem Geheimrate zur Begutachtung. Dann wird unser Herr von
Schlieben das Ganze erwägen und überdenken und mit höherer Weisheit in's rechte
Schick bringen, das heißt, er wird mit andern und vielen Worten das für Recht
erklären, was der Kurfürst will.«
    Der alte Bodo stieß mit seinem Stock auf die Diele: »Dass Gott erbarm, Herr!
Ich wünschte - der Kurfürst hätte nicht so kluge Räte,« setzte er in den Bart
murmelnd hinzu.
    »Der Kurfürst!« es rauschte durch die Versammlung, die Federhüte und Barette
flogen von den Köpfen. Joachim schritt durch die Reihen, die sich teilten, nach
dem Tronsessel. Er musterte eine Weile die Anwesenden. Sein Gesicht war blass,
sein Auge so ernst und forschend, als man es lange nicht gesehen. Er sprach dann
in wohlgesetzter Rede über Vieles, aber nicht mit dem jugendlichen Feuer, das
man an ihm gewohnt war. Er sprach, wie von der schmerzlichen Überzeugung
durchdrungen, dass was vor seiner Seele leuchtend stand, den Andern fremde,
ferne, gleichgiltige Dunstbilder seien, dass seine tönenden Worte nur dumpfe
Klänge für die Mehrzahl blieben; er sprach für sich, nicht für die Andern, wie
vor einer unsichtbaren Macht, welche von ihm Rechenschaft forderte.
    Er sprach von der Universität, die er zu Frankfurt gründen wolle, dass nun
endlich alle Hindernisse gehobelt seien, die diesem hochwichtigen Werke im Wege
gestanden. Sie solle das Siegel werden, so hoffe er zu Gott, gedrückt auf die
Mission seines Hauses: die Mark Brandenburg, dieses alte, durch teures Blut dem
deutschen Gesammtvaterlande erworbene, dieses ehemals blühende, reiche,
herrliche Land, wieder zu erheben aus der Verwilderung und Zerrüttung zu einem
gesunden kräftigen Gliede des deutschen Reiches. Nicht durch Fehde und Krieg,
nicht durch wilden Trotz und gesetzlose Freiheit, nicht durch Festalten an der
alten Unsitte werde der Märker aus der Barbarei sich erheben, sondern durch
friedfertige Unterwerfung unter das Gesetz und durch liebevolle Aufnahme der
Männer, welche er berufen, durch Lehre und Wort, durch Beispiel und edle Sitte
die alte Unwissenheit und böse Art zu bändigen und den Geist zu lösen, dass er
auf edleren Bahnen vorschreite. Er nannte die Männer, die er gewonnen, deren Ruf
durch ganz Germanien strahle. Er hoffe, dass ihr Licht von den Wellen der Oder
über Spree, Havel und Elbe nur heller in das Reich zurückstrahlen werde. Vor
allem sei er bedacht gewesen, Männer zu finden,
