 da es auf andere Weise nicht gehen wollte. Es fällt
mir nicht ein, Dich, wie andere meiner Untertanen, in die Viehställe zu
stecken, Dich will ich für mich allein, zu meiner Gesellschafterin haben. Du
sollst mich begleiten, wenn ich ausreite oder fahre, Du sollst das ritterliche
Vergnügen der Jagd mit mir teilen, Du sollst mit mir essen und trinken, kurz,
Du sollst leben, wie ich, gebieten, wie ich! Hättest Du wohl Lust dazu,
Haideröschen?«
    Die schöne Wendin sog diese verführerischen Worte des Grafen wie Zaubertöne
eines Mährchens ein. Sie blickte mit den brennenden dunkelblauen Augen zu ihm
auf und lächelte ihn freundlich an. Magnus wagte jetzt seinen Arm lose und wie
zufällig von der Lehne des Divans auf ihren verhüllten Nacken gleiten zu lassen.
Er fuhr fort:
    »Du wirst von dem törichten Volk gehört haben, ich sei hart, ein Tyrann.
Glaube nicht daran, mein Röschen! Ich mache nur einen Unterschied zwischen den
Menschen. Wo ich Rohheit, Gemütsverhärtung, unbändigen Starrsinn und
Widerwillen gegen jeglichen Befehl bei vollkommenem Mangel an Bildung entdecke,
da wende ich scharfe, empfindliche Mittel an, wie sie allein durchdringen
können. Die Mehrzahl dieser Menschen, die zerstreut auf meinen Besitzungen in
der Heide und dem niedrigen Hügellande wohnen, verdienen nicht besser wie das
unvernünftige Vieh behandelt zu werden. Es ist ein Glück für sie, dass sie keinen
freien Willen haben, sie würden an ihrer Freiheit nur zu Grunde gehen! Dass sie
zuweilen murren und in ihrer Störrigkeit gegen mich zu rennen suchen, ist Folge
ihrer gänzlichen Verstandeslosigkeit. - Wo ich dagegen Anlage, Herz, Gemüt,
Geist entdecke, wie bei Dir, meine Perle, da bin ich immer geneigt, zu
vergessen, dass ich das Recht habe, blindlings zu befehlen. Ich wünsche dann als
Lehrer aufzutreten und solchen bevorzugten Wesen die Wohltaten, welche die
Freiheit gewährt, sich selbst verdienen zu lassen.«
    Haideröschen hätte gebildeter sein müssen, als sie es war, um diese Rede des
Grafen vollkommen verstehen zu können. Sie hörte ihm zwar aufmerksam zu, aber
sie wusste doch eigentlich nicht, was er mit all den schönen Worten hatte sagen
wollen. Nur die milde Freundlichkeit, die unveränderlich seine interessanten
Züge geistig belebte und verschönerte, machten sie begierig, noch mehr zu
vernehmen, Sie stützte daher das feine Köpfchen in ihre Hand und wandte mit
schalkhaft klugem Lächeln, dem eine entzückende kindliche Unwissenheit inne
wohnte, das Gesicht dem Grafen zu.
    »Wenn ich von dem Verdienen der Freiheit spreche,« fuhr Magnus fort, »so
will ich damit nichts Anderes sagen, als dass ich wünsche, es möge jeder Einzelne
meiner Untertanen die guten Absichten anerkennen, die meinen Handlungen stets
