 hatte. »Meine erprobte Freundin, die
würdige Dame Oehler, bei der ihre gerettete Enkelin eine so traute
Zufluchtsstätte fand, mag sich ins Mittel schlagen. Ihr teile ich mit, was uns
das Zusammentreffen mannigfacher Zufälle entdeckt hat, und fordere sie auf, den
Vater Elwirens zu retten. Sie ist befreundet und verwandt mit den
einflussreichsten Männern Hamburgs, deren Einschreiten in dieser Angelegenheit
notwendig sein wird. Die unmittelbare Verwendung dieser Männer wird Klütken aus
seiner Dumpfheit aufrütteln und ihn zur Erkenntnis bringen. Mir schien es, als
sei er leicht zu rühren, als folge er mit ziemlicher Gelassenheit überlegener
Kraft, gebietendem Worte und Blick. Die Reue über sein bisheriges unwürdiges
Treiben und Leben muss ihn zu Boden werfen. Aus solcher Zerknirschung wird er als
ein neuer Mensch wieder aufstehen und uns mit Tränen der Freude und des Dankes
umarmen. - Ferner aber ist es nötig, dass man sich seines Räubers und
Verführers, jenes entsetzlichen Blutrüssels oder Lugauges, bemächtige, in dessen
verderblichen Banden der Unglückliche zu schmachten scheint. Es ist Zeit, dass
der Verbrecher endlich zur Verantwortung gezogen wird! Scheint dieser grässliche
Mensch doch der Letzte von Allen zu sein, welche Teil hatten an den verworrenen
Begebenheiten, welche das Grab der Jugend, der Unschuld und des Glückes so
vieler tugendhafter und braver Menschen wurden!«
    Nach einem längeren Zwiegespräch, worin es Aurel gelang, die zahlreichen
Einwürfe und Bedenklichkeiten Herta's siegreich zu bekämpfen und der Zweifelnden
größeres Vertrauen einzuflößen, trennten sich die beiden vortrefflichen Menschen
mit dem Entschlusse, keinen Angenblick Zeit zu verlieren, um Klütken-Hannes -
wie er bei uns nach wie vor heißen mag - dem Untergange zu entreißen. Herta bat
mit kaum hörbarem Flüstern, dass Aurel ihr Elwiren senden möge. Es drängte die
bekümmerte, von so widersprechenden Gefühlen und Eindrücken tief erschütterte
Greisin, das Kind um sich zu sehen und an ihre Brust zu drücken, dessen Vater
sie bebend für einen sittlich untergegangenen Menschen betrachten musste. Auch
sollte Elwire von ihrem Munde zuerst und allein das neue Geheimnis erfahren, das
ihr jugendliches Dasein durch neue Freuden und Leiden verklären sollte.
    Anfangs war Aurel gesonnen, den lebensfrohen Gilbert als Geschäftsträger
nach Hamburg zu schicken, während er aber die erforderlichen Briefe an Madame
Oehler und diesmal auch an deren Tochter schrieb, fiel es ihm ein, dass ein so
kecker und rücksichtsloser Unterhändler nicht die geeignete Person zu
glücklicher Lösung dieser mit großen Schwierigkeiten verknüpften Angelegenheit
sei. Weit geeigneter schien ihm grade dazu der peinlich pünktliche und
pedantische Dirigent des gemeinsamen Handelshauses am Stein und Kompagnie, dem
er im Übrigen seiner allzustrengen Lebensansichten wegen nichts weniger als
gewogen war. An diesen Mann schrieb er daher sehr ausführlich, sehr kühl und
prosaisch, und trug ihm die ganze Sache, deren eigentlichen Kern
