 von ihrer Aufsätzigkeit
erbittert, einigemale härter mit ihnen umgegangen bin, als es vielleicht vom
christlich-humanen Standpunkte aus erlaubt war, allein das muss man auf Rechnung
der Gereiztheit setzen, wo auch der beste Mensch sich schlimmen Neigungen und
bösen Einflüsterungen überlässt. Ich habe dies vielmals beklagt, um so mehr
beklagt, als mich Klugheit und Selbsterhaltung nötigen, mir keine Blöße zu
geben. Das begreifen Sie so gut, wo nicht besser als ich, Sie wissen wie
schwierig eine so große Menge immer zu übertriebenen Forderungen aufgelegter
Arbeiter zu lenken und zu befriedigen ist. Die Güte des Arbeitgebers wird von
solchen Leuten regelmäßig gemissbraucht, zuvorkommende Behandlung, freigebige
Anerkennung ihrer Dienstleistungen nie dankbar aufgenommen. Das Herz des
Arbeiters ist dem Arbeitgeber stets feindlich gesinnt, weil er sich immer
bevorteilt und den Herrn im Vorzuge glaubt. Alle Fabrikbesitzer haben diese
Erfahrungen gemacht und sind durch sie zur Erkenntnis sowohl ihres eignen wie
des Vorteils ihrer Arbeiter gekommen. Hoher Lohn, mein lieber Herr Vollbrecht,
verdirbt jeden, auch den allerbesten Arbeiter. Er macht ihn hochmütig, üppig,
verschwenderisch, ungehorsam und unverträglich. Statt zu sparen und auf die
Zukunft zu denken, schwelgt, prasst, spielt und wettet er, und statt dem Herrn
treu und ergeben zu bleiben, verleumdet er ihn und sinnt nur darauf, wie er sich
in seinem Sinne noch verbessern kann. Nie, lieber Volbrecht, wird die Arbeit
schlechter verrichtet, als wenn der Lohn ein verhältnismäßig hoher, der
Verdienst mithin ein leichter ist! Dies erkennend, schlug ich einen andern Weg
ein und gedenke diesen, mit Gottes Hilfe, auch fernerhin beizubehalten. Ein
gewisser Grad von Dürftigkeit ist ein wahres Glück für den Arbeiter, wie für die
Arbeit! Jener wird williger, fleißiger und genügsamer, diese besser und mithin
vom Käufer begehrter! Wenn der Arbeiter sich abhängig fühlt, begründet er von
selbst sei Glück! Es ist also nicht Härte, nicht Grausamkeit und Eigennutz von
mir, wenn ich die häufigen Klagen meiner Arbeiter nicht beachtete, vielmehr
stellte ich mich hart und unerbittlich zu ihrem eignen Besten. Was ich ihnen an
Überfluss abgehen ließ, behielt ich für sie und ihre Kinder zurück, damit ihnen
im Fall der Not, bei wirklich eintretendem Mangel und ausbrechender Teuerung
ein Kapital gesichert bleiben möge. Freilich musste das heimlich und ohne ihr
Mitwissen geschehen, weil sie mich sonst auf der Stelle ermordet oder doch
geplündert haben würden; aber mein Testament wird dereinst Zeugnis ablegen von
meiner Rechtlichkeit und väterlichen Fürsorge für Diejenigen, die ihr Leben
meinem Dienst geweiht haben. Ihre Kinder werden mein Grab noch mit Tränen
benetzen und die unverdienten Flüche und Verwünschungen damit auszulöschen
suchen, die ihre kurzsichtigen Eltern auf meinen Namen gehäuft haben in blindem
Wüten!«
    Adrian verstand es vortrefflich,
