 Volke, was es wünschte, suchte, liebte - Arbeit! Glücklichere
Menschen habe ich nie gesehen. Von früh bis Abends scholl lustiger Gesang durch
die Säle meiner Fabrik. Sie nannten mich ihren Wohltäter, ihren Vater und ich
ließ es mir gefallen. Um sie noch fester an mich zu ketten, bezahlte ich meine
Arbeiter einige Jahre gut, besser, als ich es eigentlich durfte, ohne Großes zu
riskiren. Indes auch hier blieb mir das Glück treu und ich gewann doch noch.
Meine Freigebigkeit hatte den gewünschten Erfolg. Die Arbeiter wurden luxuriös,
weil sie leicht verdienten und ihrer Einnahme gewiss waren. Sie sparten durchaus
nicht. An Sonn- und Feiertagen lebten sie lustig und froh.«
    »Dahin wollte ich die glückseligen Freien haben. Plötzlich, wie der Wind
umschlug, trete ich eines Tages unter sie mit betrübter Miene und verkündige
ihnen, dass ich den bisherigen Arbeitslohn eingetretener Konjuncturen wegen nicht
mehr zahlen könne, dass ich große Verluste gehabt und meinen Ruin befürchten
müsse, wenn ich dieselben Summen, wie bisher zahlen sollte. Ich stellte es ihnen
daher frei, ob sie mir für geringeren Lohn dienen wollten und könnten. Wer
darauf nicht eingehen könne, dem stünde es frei, anderwärts ein besseres
Unterkommen zu suchen.«
    »Nicht ein Einziger verließ mich. Die Dankbarkeit, wie ich erwartet hatte,
kettete sie an mich. So wenigstens sagten Alle, wenn auch die wahre Veranlassung
zu ihrem Bleiben in den Verbindlichkeiten zu suchen war, die sie gegen mich
hatten. Das gute freie Volk arbeitete von Stund' an noch emsiger für geringeres
Geld, lebte etwas sparsamer, weil es nichts besaß und noch weniger erübrigen
konnte, und war zufrieden!« -
    »Später wiederholte ich meine Lohnverkürzungen, aber immer bei schicklichen
Gelegenheiten, ich verlängerte zugleich die Arbeitszeit - weil die lieben Leute
Genuss im Arbeiten finden - und erreichte mehr und mehr meinen Zweck. Das alte
Haus Boberstein erhielt wieder den Besitz, verdrängte später aufgeschossene
Glückspilze, brachte alle baare Kapitale an sich und entwand das Geld
vollständig dem arbeitenden Volke. Ich ließ ihm lebensgern das Bewusstsein, sich
als freie Männer zu fühlen, ich rief es ihnen, wo ich nur konnte, ins
Gedächtnis, doch je mehr ich die Freiheit pries, desto enger umschnürte ich sie
mit unzerreissbaren Ketten. Ehe sie es ahnten, waren sie meine Sklaven geworden,
deren Leben an einem Zucken meines Auges hing.«
    »Ich blieb nicht auf halbem Wege stehen, mein biederer Bruder. - Da ich
weiß, was Bildung, was sogenannter Fortschritt der Zeit und Volksaufklärung
vermag, und wie grade ihre größere, immer zunehmende Verbreitung unser
allergefährlichster Feind ist, so gab ich mir Mühe, dieselbe zu beschränken. Bei
meinem System war dies
