
sinnlichen Genuße fremd bleiben, so bemächtigte sich meiner ein
unaussprechlicher Ekel, der jedoch bald einem stillen Jubel der Seele weichen
musste. Ich glaubte nämlich das Mittel gefunden zu haben, dies freche, plumpe,
auf seine junge Freiheit überstolze dumme Volk demütigen und es uns, seinen
angestammten rechtmäßigen Herren, wieder unbedingt unterwürfig machen zu können.
Seine Lust, sein Vermögen, dacht' ich, soll seine Geissel werden. Nicht mit
Skorpionen, nein, mit freundlichen Worten will ich es peitschen, mit der
Freiheit, auf die es so stolz ist, werde ihm sein aufgespreizter Dünkel gewürzt.
Ich beschloss, die Freiheit zum Büttel zu machen! Höre, wie ich dies anfing.«
    »Kaum ward es ruchbar, dass Herr am Stein eine große Spinnfabrik anlegen
wolle, als sich eine große Menge Arbeiter meldeten. Viele, ja die Meisten kamen
von fern her, nur der kleinere Teil waren meine Untertanen. Ich nahm Jedermann
freundlich auf und warb so viele, als ich beschäftigen konnte. Nur bedang ich
mir aus, dass, wer bei mir Arbeit finden und behalten wollte, sich auf meinem
eigenen Grund und Boden ansässig machen müsse. Anfangs stutzte Mancher bei
diesem Verlangen, als ich ihnen aber vorschlug, unentgeltlich ein Stück Land zu
geben und für Bau eines kleinen Hauses Geld zu niedrigem Zins vorzuschiessen,
schlug Jeder ein. Ich fing die Freiheitshelden wie genäschige Mäuschen.
Schaarenweise sprangen sie in meine Falle, und so entstand das Spinnerdorf
drüben am See.«
    »Als meine Schuldner waren diese Toren von Anfang an in meiner Gewalt, die
ich sogleich hätte gebrauchen können, wenn ich nicht ein größeres Ziel im Auge
gehabt hätte. Mein Streben ging, wie Du weißt, auf Wiedererwerbung aller durch
die Verschwendung unseres Vaters verloren gegangenen Ländereien. Ich erreichte
mein Ziel und gewann dadurch um ein Dritteil Untertanen mehr als unser Vater
je besessen hat. Es waren dies freilich keine Leibeigenen, sondern freie
Menschen, die tun und lassen konnten, was sie wollten, die mir bloß einige
geringfügige Steuern und andere unbedeutende Dienste zu leisten hatten. Sollte
nun mein Plan einen dauernden Zweck haben, so mussten diese Freien, die ich als
Volk so gern über uns erheben und uns Gesetze vorschreiben möchten, durch sich
selbst zu Knechten gemacht werden und zwar zu freien Knechten, d.h. zu solchen,
deren Joch die Freiheit, deren Galeere der Feiertag ist.«
    »Arbeit! Arbeit! Dieser Ruf hallt wieder in aller Welt! Jeder will Arbeit,
Jeder preist die Arbeit, Jeder sieht in der Arbeit Gewinn, Überfluss, ein
schönes, glückliches, sorgenfreies Leben in der Zukunft blühen!«
    »Euch soll dies ersehnte Paradies baldigst lachen! dachte ich bei mir und
gab dem freien
