 auf. Zu der
gerichtlichen Vorladung lächelte er sogar.
    »Du ignorirst diese einfältige Citation,« sagte er, »bis sie wiederholt
wird. Dann lässt Du dem Gericht vornehm einen höflichen Gruß entbieten und ladest
dasselbe, Krankheit vorschützend, ein, sich zu Dir zu bemühen. Erscheinen die
gelehrten Herren, was nicht fehlen kann, so forderst Du ganz ruhig, sie möchten
Dir den fraglichen Bruder und Miterben persönlich vorstellen. Man wird ja sehen,
aus welchem Kehrichtaufen sie ihren Prätendenten herbeiholen werden.«
    »Ich teile vollkommen Deine Meinung, lieber Bruder,« erwiderte Adrian,
»und bin keineswegs in Angst wegen dieses fern drohenden brüderlichen
Gespenstes. Nur den Eindruck, den es auf meine Arbeiter macht, fürchte ich. Es
liegt ein Zauber in dem dumpf erklingenden Gerücht, der bei Ungebildeten selbst
die sonnenhellste Wahrheit nicht mehr entkräften kann. Meine Arbeiter wissen um
den mir bevorstehenden Kampf und benutzen die Enge, in welche ich scheinbar
dadurch getrieben werde, auf ihre Weise. Dass sie aus freiem Antriebe so handeln,
ist nicht wahrscheinlich. Es leben geheime Agenten unter ihnen, die sie
aufreizen, stacheln und drängen und deren moralischer Einfluss nicht unbedeutend
sein kann. Liesse sich ein Mittel auffinden, diese unschädlich zu machen, so
hätten wir jedenfalls leichteres Spiel und brauchten uns die Widerspänstigkeit
der Unzufriedenen nicht weiter anfechten zu lassen.«
    »Der alte Wende mit seinem deutschen Beistande, dem Maulwurffänger, dessen
ich mich noch dunkel erinnere, scheinen demnach großen Anhang zu haben,« sagte
Adalbert.
    »Dieser Maulwurffänger ist ein Teufel!« rief Adrian aus. »Für einen Mann aus
dem Volke besitzt er einen so durchdringenden Scharfsinn, eine Ruhe, List und
Ausdauer, dass der gewandteste Diplomat, ist er nicht beständig auf seiner Hut,
von ihm hinter's Licht geführt werden kann.«
    »Seine Geschichten sind gut erfunden,« lächelte Adalbert vornehm.
    »Verzweifelt gut, Bruder! Diese beiden steinalten Greise haben aus ihren
Erinnerungen und ein paar moderfleckigen Papierfetzen eine Geschichte
zusammengewoben, die sich an all' ihren Teilen fest wie die Glieder einer Kette
verschlingt. Unser gemeinschaftliches Streben wird es sein müssen, die falschen
Glieder in dieser Kelte aufzusuchen und zu zerbrechen.«
    »Ich stelle mir dies leicht vor, sobald das Kapitel von den Beweisen
ausgeschlagen wird.«
    »Und, wenn sie auch diese beibringen?«
    »Tun wir die Unächteit derselben dar.«
    Adrian zuckte die Achseln. »Das scheint mir gefährlich,« sagte er. »Ohne
Zeugen werden wir den Gegenbeweis nicht führen können. Und dann - unser seliger
Herr Vater ging nicht unbescholten aus der Welt!«
    »Das eben ist der Punkt, den wir ins Auge fassen müssen! Der etwas
zweideutige
