 kann so hart sein, dass er tränenlos sein Weib, seine
Kinder vor Hunger hinsterben sieht, so grausam, so cannibalisch aber ist er
nicht, dass er von dem Herzblut dieses geliebten teuren Weibes, dieser ihm von
Gott geschenkten Kleinen seinen Hunger stillen könnte! - Das, Herr am Stein,
können nur die Reichen, denen das Gespenst der Armut nicht allnächtlich als
Gardine das Lager umfängt!«
    Martells Begleiter sahen einander an und traten dem unerbittlichen
Fabrikherrn näher.
    »Haben Sie Erbarmen mit uns,« sagte der Eine.
    »Gott der Herr wird's Ihnen vergelten immer und ewiglich!« rief ein Anderer.
    »Wir müssen sonst schlecht, wir müssen Diebe und Räuber werden!« grollten
die übrigen.
    Vollbrecht trat ebenfalls hinzu. Mit gefaleten Händen, mit einem Blick des
tiefsten Bedauerns und mit flehentlich bewegter Stimme sprach er:
    »Herr am Stein, ich vereinige meine Bitten mit denen dieser Männer. Es ist
unmöglich, dass sie bei ihrem jetzigen Lohne leben und ehrlich fortkommen können;
es ist aber auch gewissenlos und unverantwortlich, fleißige Menschen nur deshalb
zur Verzweiflung zu treiben, weil mit Durchführung eines geschickt ausgedachten
Systems ein Mehrgewinn erzielt wird, der zu späterer Vergrößerung des Geschäftes
wesentlich beiträgt.« - Ich bitte, hören Sie mich aus, Herr am Stein! - Die
Erfindung der Maschinen, welche dem menschlichen Scharfsinn Ehre macht, wird nur
dann eine Wohltat für Volk und Staat, wenn sie dem Arbeiter die Last der Arbeit
erleichtert. Die Maschine ist nicht dazu da ihren Besitzer zu bereichern,
sondern dem Arbeiter leichter als durch seine Hand ein sicheres und gutes
Auskommen zu gewähren. Die Maschine kann das, wenn ihr Besitzer es will. Es gibt
aber leider der Maschineninhaber nur wenige die sich zu dieser einfachen Ansicht
erheben. Sie betrachten ihre Riesenkraft als ein unverwüstliches Kapital, das zu
mehren ihnen zusteht, in welcher Weise es ihnen beliebt, und weil sie die Macht
besitzen und die dämonische Kraft dieser Macht kennen, werden sie grausam und
verwandeln die Wohltat dieser segensreichen Erfindung in einen Fluch, der
unaussprechliches Elend über die Welt verhängt. - »Herr am Stein, Sie bekennen
sich zu diesen unbarmherzigen Egoisten, ich sage es offen, und Sie entehren sich
selbst in den Augen jedes Biedermannes, wenn Sie länger das gerechte Anliegen
dieser Armen von sich weisen!«
    Mittlerweile war es Tag geworden. Die Morgenröte durchbrach den Nebel und
warf matte Lichter in den Saal und auf die von Kummer und Leidenschaft
durchfurchten Gesichter der Arbeiter. Adrian nahm die Zigarre aus dem Munde und
spielte mit der Pistole.
    »Auf Ihre meisterhafte Rede, lieber Vollbrecht, werde ich späterhin
antworten,« sagte er mit vornehmem, glattem Lächeln. »Vor der Hand ein letztes
