 muss das Menschengeschlecht noch einige Revolutionen, wie jene erste
französische, erleben, ehe dies heilige Kind, dieser wahre Sohn Gottes und der
Menschen, zum Heil der Welt geboren wird!«
    »Mein lieber Heinrich,« unterbrach hier Schlenker den Maulwurffänger, »wenn
Ihr noch lange so fortfahrt in der Gotteslästerei, so muss ich, ich mag nun
wollen oder nicht, die Stube meiden! Es drückt mir das Herz ab und bringt mich
um alle gottseligen Gedanken! Bedenkt doch, es ist ja mit tausend Schrecken!«
    »Ganz Natur!« beteuerte Gregor.
    »Nun so geht zum Teufel!« versetzte Heinrich kurzab, verdrießlich, dass ihn
der Fromme in seinen besten Gedanken unterbrochen hatte.
    Schlenker stand beleidigt auf, der Schulmeister folgte. »Es steht in der
Schrift,« sagte der Fromme, »wir sollen nicht sitzen im Rate der Spötter und
Toren! Darum verlasse ich Euch, Heinrich, bis dass Ihr in Euch geht und Euch
bekehrt!«
    Gregor nickte stumm mit dem Kopfe und schritt dem voranwackelnden Schlenker,
dessen Strümpfe bis auf die Schuhe herabhingen, steif und gravitätisch nach.
Kaum aber war die Tür hinter den beiden wunderlichen Leuten zugefallen, als sie
Gregor auch schon wieder aufriß und beide die Köpfe durch den Spalt
hereinschiebend, der Schulmeister den seinigen über den Schlenker's, dem
Maulwurffänger eine gute Nacht wünschten. -
    »So sind nun die Menschen,« nahm Heinrich lächelnd wieder das Wort. »Die
Wahrheit mögen auch die Besten und Guterzigsten nicht hören, und doch verlangt
man, es solle besser werden auf Erden! - Sieh, Sloboda, das allein verbittert
mir oft die reinsten Stunden und lässt mich zuletzt an allem Großen und Dauernden
verzweifeln! Ich bin weder so klug noch so beschränkt, wie die großen Gelehrten;
ich habe auch in ihrem Sinne wenig gelernt. Meine Schule war und ist noch die
Erfahrung, die Beobachtung, das große und kleine Leben des Volkes und der Natur.
Was mit diesem nicht übereinstimmt, halte ich für unächt, für erkünsteltes
Product irgend eines verkünstelten Geistes! - Ich spreche selten mit Jemand von
diesen meinen Ansichten, denn ich finde selten Gehör und habe es mir schon oft
müssen gefallen lassen, dass mich vornehme Leute einen verschrobenen Narren
nannten. - Nun was tut's? Ein Licht, das, vom Zufall angezündet, unsern Geist
mit klarer Helligkeit erfüllt, können auch die witzigsten Spötter nicht
auslöschen. Deshalb lasse ich Spott und Scherz über mich ergehen, wie ich es mir
erlaube, gelegentlich dieselbe Münze ebenfalls auszugeben. Es wird aber nur zu
bald eine Zeit kommen, in der Viele, wo nicht alles Volk erkennen werden, dass es
noch sehr jämmerlich aussieht in unsern wohlgeordneten Staaten
